Diese Wanderung ist durch die Überlegung entstanden, dass Rugiswalde so nah an
der Grenze liegt und bestimmt eine ehemalige Straße rüber nach Horní
Poustevna (Ober-Einsiedel) führt. Das wollte ich mir mal ansehen. Außerdem hatte ich schon mehrmals davon gelesen, dass in naher Zukunft
die
Bahnverbindung zwischen Sebnitz und Dolní Poustevna (Nieder-Einsiedel)
wieder aktiviert werden soll. Auch dies erschien mir ansehenswert. Also
geht es los:
Der Startpunkt liegt in Rugiswalde am
kleinen Teich. Dieser Parkplatz ist
sehr einfach zu finden, da man auf der abknickenden Dorfstraße genau auf
diesen Parkplatz drauf zu fährt. Dieser Platz hat gleich drei erwähnenswerte
Besonderheiten:
Zuallererst eine kleine Stele mit dem eingravierten Text "In der
gesetzlosen Zeit wurden hier am 15. Mai 1945 erschossen: Willy Trepte, Emma
Trepte, Erfried Schuster, Max Thonig, Hans Winkler, Julius Liebing, Wolfgang
Lücke. Gewidmet im Mai 2005". Zuerst dachte ich, das müssten auch Teilnehmer
am sogenannten Todesmarsch sein, aber dieser war in der Zeit von 20. – 22.
April in der Nähe von Rugiswalde. Das zweite Erwähnenswerte dieses Ortes ist der
kleine Teich. Zu diesem Teich gibt es die Sage, dass an der Stelle früher das Kirchlein der Ortschaft Frohnau stand. Über der Ortschaft
soll ein Fluch gelegen haben und so soll der Ort in der Tiefe verschwunden
sein. Zuweilen soll man die Kirchglocke vom Grunde des Teiches hören. Nach
diesen eher düsteren Sachen gibt es auch noch einen sehr erfreulichen Punkt
aus der Neuzeit. Rechts neben dem Parkplatz sind einige kleinere als auch
größere Bäume gepflanzt. Diese Bäume tragen alle ein nettes Schild mit
Kindernamen und deren jeweiliges Geburtsdatum. Diese Idee mit den
sogenannten Geburtsbäumen empfinde ich als eine sehr tolle Sache und
hoffentlich wird es lange als ein Brauch weitergeführt.
Nach diesen ersten paar interessanten Punkten schon am Start geht die
Wanderung auf der Dorfstraße nach links ins Dorf hinein. Nach ungefähr 400
Metern erreicht man einen sehr nett
hergerichteten Dorfplatz mit einem
ziemlich schmucken Informationshäuschen. Gleich dahinter befindet sich
am rechten Hang der Skilift von Rugiswalde. Ich finde es immer wieder
erstaunlich, einen Skilift im Bereich
der Sächsischen Schweiz zu finden,
denn in
den letzten Jahren ist das Schneeaufkommen doch ziemlich armselig, aber
mindestens in Rugiswalde und Sebnitz gibt es noch gute Geister, die solch
eine Anlage pflegen und am Leben erhalten. In Rugiswalde scheint man aber
auch der Natur ein bisschen nachzuhelfen, da links von der Skipiste eine
Schneekanone steht. An der untersten Säule des Skiliftes hängt ein Schild
mit folgenden technischen Daten: Skilift HLB 15,5; Massensporthang
Rugiswalde; Technische Daten; Hersteller IG Liftbau BSG Fort. Neustadt;
Baujahr: 1988; Fabr.-Nr.: 1; Geschwindigkeit m/s: 2,6; Anzahl der Gehänge:
32; Förderleistung 600 Personen/h; Liftlänge: 310 m; Höhenunterschied: 70 m.
Die Wanderung führt weiter durch das Dorf, bis am unteren Ende des Dorfes
die Grenze erreicht wird. Seit Tschechien zu den Schengener Staaten gehört,
braucht man sich keine Gedanken mehr zu dem Grenzübergang machen. Hier darf
man einfach so darüber wandern. Im Frühjahr 2008 lagen noch ein Felsbrocken
und eine Barriere im Wege, aber das wird sich in der nächsten Zeit bestimmt
noch ändern. Der Forstweg fällt gemächlich bis zur Ortschaft Horní Poustevna
(Ober-Einsiedel) ab. Horní Poustevna (Ober-Einsiedel) ist nicht gerade eine
riesige Ortschaft und man erreicht die Hauptstraße am einzigen bunten
Farbtupfer, der Tankstelle. Wenige Meter bevor man die Hauptstraße erreicht,
geht nach rechts ein Feldweg hinter dem ersten Haus den Hang wieder hoch. Da
ich nichts besonders Interessantes in Horní Poustevna (Ober-Einsiedel)
entdeckt habe, geht es auf diesem Weg schon wieder aus der Ortschaft heraus.
Mit ziemlich der gleichen Steigung, wie es eben runter auf das Dorf
zu gegangen ist, geht es jetzt wieder nach oben. Auch wenn dieser Teil des
böhmischen Waldes überhaupt keine Wanderwegmarkierung besitzt, ist es
relativ einfach, den Weg zu finden. Ziemlich verwunderlich ist, dass auf
einmal, mitten im Wald, an einer Lichtung ein ziemlich ordentliches Haus
steht. Wer auch immer hier im einsamen Wald wohnt, der hat auf jeden Fall
eine wunderbare Ruhe. Selbst Wanderer dürften hier kaum vorbeikommen,
zumindest ist mir auf der ganzen Strecke zwischen den beiden Einsiedel-Orten
keiner begegnet. Der Aufstieg ist beendet an einer auffälligen
Futterkrippe.
Hierbei handelt es sich einerseits um eine normale Futterkrippe, wie man sie
auch überall in Deutschland im Wald findet, und ein ordentlich gebautes
Holzhaus, das anscheinend als Heulager benutzt wird. Diese Schuppen habe
ich schon einige Male in der Böhmischen Schweiz gesehen und mich darüber
gewundert, wie ordentlich die Dinger gebaut sind. Diese Wildfütterungsstelle
steht sehr gut sichtbar gleich neben dem Weg und hier geht es nach links den
Hang wieder abwärts. Auch dieser Abstieg ist einfach zu finden, nur einmal
nach 400 Metern sollte man nicht dem verführerischen Weg geradeaus folgen,
weil man sonst wieder am Ausgangspunkt bzw. dem einsamen Waldhaus herauskommt. Hier empfiehlt sich also, nach rechts abzubiegen. Nach einer ganz
angenehmen Waldwanderung erreicht man die
Teiche bei Dolní
Poustevna
(Nieder-Einsiedel). Ob diese Teiche außer zum Angeln auch noch als
Badeteiche benutzt werden, war leider im Frühjahr 2008 bei 7° Grad
Außentemperatur nicht so richtig zu erkennen. Aber der Rand des Teiches
deutet ein bisschen darauf hin. Wenn man dem Weg nach links folgt, erreicht
man den Bahnhof von Dolní
Poustevna (Nieder-Einsiedel). Hier war ich
wirklich überrascht. Der Bahnhof ist für solch eine kleine Ortschaft
wirklich riesig. Er hat zwar nur einen Bahnsteig, was aber bei einer Sackgasse
an Bahnlinie nicht wirklich verwunderlich sein sollte, aber an der größten
Stelle befinden sich immerhin 5 Gleisstränge. Diese sind anscheinend früher
für den Güterverkehr genutzt worden. Heutzutage sehen die ehemaligen
Lagerhallen verlassen, aber immer noch gepflegt aus. Am Ende der Bahngleise
kann man gut sehen, wo früher die Bahnverbindung nach Deutschland
weiterging. Die ehemalige Bahntrasse ist immer noch deutlich zu sehen,
obwohl sie ziemlich zugewuchert ist
und ein Teil der Schienen und Schwellen herausgerissen worden sind. Hier empfiehlt es sich aber nicht, weiter zu
gehen, da es anscheinend dann in Deutschland nur noch den weiteren Weg über
die befahrene Bahnlinie gibt. Das möchte ich natürlich niemanden empfehlen
und so geht es wieder ein kleines Stück bis zu den Teichen zurück. Hier
zweigt nach ca. 200 Metern ein Weg nach links ab. Damit erreicht man eine
kleinere Schrebergartenanlage in Deutschland. Diese Gärten liegen noch vor
der deutschen Bahnlinie und sind ganz gut von den Teichen aus zu sehen. Ein
kleines Zick-Zack über die Wiese verkürzt den Weg ganz angenehm. An der
Kleingartenanlage sieht man auch noch ziemlich deutlich die
Grenzbefestigungen, damit keiner den Weg mit dem Auto gleich durch bzw. an
den Gärten entlang wählt.
Am Ende der Gärten befindet sich ein unbeschrankter Bahnübergang und schon
ist man auf der äußersten Straße (Dr.-Steudner-Straße) von Sebnitz angekommen. Dieser
folgt man ein kleines Stück nach rechts, bis sich die erste Möglichkeit
bietet, nach links auf die Parallelstraße zu kommen. Dieser
(Dr.-Hesse-Straße) folgt man nach rechts bis zum Ende. Hier
steigt der Weg hoch zum Finkenberg. Der Aufstieg bewirkt zwar schon wieder
einige Höhenmeter, aber entlohnt auch mit einer sehr netten Aussicht über
Sebnitz in die Hintere Sächsische Schweiz. Oben auf dem Finkenberg befindet
sich die Finkenbaude (www.finkenbaude.de), die mit ihrer schönen Terrasse zum Verweilen einlädt. Spätestens ab der Finkenbaude ist die Wanderung mit dem blauen Strich
markiert und damit geht es nach dieser schönen Aussicht wieder den Berg
herab. Der Weg führt ziemlich parallel zur Fahrstraße zwischen Sebnitz und
Neustadt durch den Wald entlang. Kurz bevor man die Bahnlinie mal wieder
über- bzw. unterquert, stößt man neben dem Kreiskrankenhaus auf ein
Kinder-
und Jugendwohnheim und ein wirklich überraschendes Haus. Dieses Haus steht ein bisschen
unterhalb der Dr.-Steudner-Straße und hat einen sehr schön gepflasterten
Hof. Wenn man ganz genau hinsieht, dann entdeckt man, dass überhaupt keine
Fenster im Haus enthalten sind, sondern nur angemaltes Holz. Selbst wenn man
wenige Meter vor dem Haus steht, fällt einem das überhaupt nicht auf. Sehr
nett gemacht und ganz sicher besser als eine Ruine mit zerstörten Fenstern.
In diesem Zustand war das Haus im Frühjahr 2008. Im Haustürsturz befindet
sich die Jahreszahl 1805.
Der Weg geht weiter unter der besagten Bahnlinie drunter her und dann
durchquert man die Sportanlage „Solivital“. Der Wanderweg geht wirklich quer
durch das Sport- und Freizeitzentrum und die einfachste Orientierungshilfe ist der hohe Zaun des
Fußballfeldes. In der hinteren rechten Ecke des Fußballfeldes verlässt der
markierte Wanderweg das Sport- und Freizeitzentrum und steigt ziemlich steil
ein letztes Mal den Berg hoch. Der Aufstieg hoch auf den Gerstenberg ist der
steilste in dieser Wanderung, aber mit einem gemächlichen Tempo ganz gut zu
schaffen. Nach 200 Metern Aufstieg erreicht man ein Hinweisschild auf den
Peststein. Diese eher unscheinbare Felsmurmel liegt 100 Meter abseits des
Wanderweges im Wald. An ihr steht ein Gedenkstein mit der Aufschrift "Allhier ruhet in ihrem Erlöser Jesu Christo sanft und selig die Weyland viel
Ehr und Tugend belobte Frau Maria Wunderlichin geborene Schusterin aus dem
Gerichte von Rugiswalde des weyl. Ehr und Wohlgeachteten Mstr. Wunderlichs
allhiesigen Bürgers und Schneiders liebgewesenes Eheweib welche in der
damaligen Gantagion 1680 d.17. Augusti hier auszen in einer Hütten
verstorben und alleine aus dieser Stadt ihr Leben sel. Beschlossen ihres
Alters 31 Jahr 3. Monat ..."(ab hier kann man den Stein nicht mehr lesen).
Die Wanderung geht wieder zurück auf den markierten
Wanderweg und damit den Berg weiter hoch. Auf der linken Hangseite fallen
immer wieder seltsame Steinhaufen auf. Ich glaube nicht, dass die von der
Natur so dort hingestapelt worden sind, aber wozu sie denn dienten, erschließt
sich mir leider nicht. Der blau markierte Weg geht auf der Rückseite der
ehemaligen Gaststätte Stiller Fritz vorbei. Eigentlich ist es sehr schade,
dass diese Gaststätte nicht mehr besteht, denn ich könnte mir doch ziemlich
gut vorstellen, dass bei dem Verkehrsaufkommen doch der eine oder
andere Autofahrer oder Biker hier anhält. Ganz besonders, wenn man die Aussicht
runter in die Hintere Sächsische Schweiz feststellt. Mir war es bis zu
dieser Wanderung auch noch nicht aufgefallen, aber man kann genau an der
Gaststätte zwischen zwei Bergrücken runter ins Tal blicken. Die Wanderung
führt die letzten paar Meter an der Zufahrtsstraße von Rugiswalde entlang,
bis man den Ausgangspunkt der Wanderung erreicht hat. Damit ist die
Wanderung Einsiedel zu Ende gegangen. Eigentlich ist sie nicht besonders
zu empfehlen. Einerseits ist fast nichts besonderes auf der Strecke zu sehen
und andererseits ist es an so mancher Stelle etwas sehr schwierig, den
richtigen Weg zu finden. Dafür geht 1/3 des Wanderweges durch einen
wunderbar ruhigen Wald, und dieses Stück macht den eigentlichen Reiz der
Strecke aus.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Mit dem Bus R-261
entweder von Sebnitz oder von Dresden zur Haltestelle Rugiswalde
Auto:
Von Sebnitz Richtung Neustadt. Bis zur Kreuzung nach Rugiswalde. In Rugiswalde kann man ganz hervoragend am Straßenrand oder auf dem Parkplatz am Sportplatz parken.
Empfohlener Parkplatz:
Rugiswalde Sportplatz
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