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Eigentlich habe ich diese Runde schon mehrmals
in abgewandelter Form beschrieben, da es aber doch immer wieder Spaß macht,
sich mit den Boot durch die Schlucht fahren zu lassen, wird hier noch mal
eine Variante beschrieben:
Startpunkt ist der große Parkplatz hinter dem Hotel Mezní Louka (Rainwiese).
Von hier geht es erst ein paar Meter (höchstens 100 Meter) nach rechts auf der Straße
vor dem Hotel entlang, bis nach rechts der blau markierte Weg
abbiegt. Auf diesem Weg steigt man mit einem sehr angenehmen Gefälle ins Tal
hinunter. Warum auch immer es so ist, auf jeden Fall macht der Weg selbst
bei schönsten Wetter immer einen ziemlich dunklen Eindruck. Vermutlich
liegt es an dem dichten Fichtenwald. An der ersten Wegkreuzung verlässt unsere Wanderroute
den markierten Weg und es geht auf dem breiten unmarkierten
Weg nach rechts. Der Weg folgt einem kleineren Bachlauf, der
nach einem ½ Kilometer im Kamnitzbach, bzw. in tschechischer
Sprache heißt der Bach Kamenice, endet. Der Kamnitzbach ist dann schon ein
ganz ansehnlicher Bach, und nach der allgemein gültigen Definition, dass der
Unterschied zwischen Bach und Fluss die Schiffbarkeit ist,
müsste er nach wenigen
Metern Kamnitzfluss heißen. Zuerst muss man aber noch zwischen dem Bach und der
Felswand entlang wandern. Zum Teil ist die Schlucht schon so eng, dass
ein Weiterkommen nur mit besonders raffinierten Konstruktionen möglich ist.
So hat man zum Teil an die Felswand einen eisernen Steg befestigt, der einem
den Weg bis zur ersten Bootsstation überhaupt erst ermöglicht.
Nachdem man
dann die oberste Bootsstation erreicht hat, muss man meistens kurz warten, bis einer der Bootsfahrer auftaucht und mit einem auf das Boot steigt. Bei
der oberen Station, dieser Bereich nennt sich Wilde Klamm, ist es so, dass
die Gebühr im Boot bezahlt wird. In welchem Zeitrhythmus die Fahrten
stattfinden, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Auf jeden Fall ist es
so, dass man sehr häufig ein anderes Boot auf dem gestauten Bach bzw.
eigentlich müsste es ja jetzt ein Fluss sein, antrifft. Anscheinend fahren
auch viel mehr Leute den Fluss aufwärts als die Wanderrichtung, die ich
empfehle. Damit kann es aber auch tatsächlich sein, dass man eine ganz
private Bootsfahrt erhält und in der Gegenrichtung 20 Leute im Boot sitzen.
Genau das ist mir jetzt schon zweimal passiert.
Nach den 500 Metern Bootsfahrt erreicht man die Bootsstation an der
Staumauer. Hier hat man für die Fische extra eine Fischtreppe eingerichtet.
Ich habe jetzt diese Treppe schon mehrere Male bestaunt, aber mich auch
drüber gewundert,
dass sie eigentlich nie richtig in Betrieb ist. Der
Abfluss durch die Fischtreppe war jedes Mal durch Bretter verschlossen
gewesen und nur ein kleines Rinnsal konnte überhaupt ablaufen. Der Großteil
des Wassers lief wie gewohnt über die Staumauer. Durch das 1 cm hohe
Rinnsal glaube ich aber nicht, dass irgendeinem Fisch die Treppe nützt. Der
Weg geht weiter dem Fluss nach. Im Gegensatz zum oberen Weg geht jetzt der
Wanderweg zum Teil durch mehrere Tunnel, die in den Felsen getrieben worden
sind. Auf ungefähr halber Strecke zwischen den beiden Bootsfahrten befindet
sich ein Bereich, in dem früher eine kleine Gaststätte zum Verweilen einlud.
Heutzutage steht das Gebäude der Gaststätte noch, aber die Wanderer werden
durch einen Kiosk/Imbiss versorgt. Hinter diesem Bereich erreicht man bald
die Stelle, an der ein Wanderweg die Schlucht kreuzt. Nach links geht es
nach Růžová (Rosendorf) hoch, nach rechts würde es nach Mezná (Stimmersdorf)
gehen. An dieser Kreuzung stoßen die meisten Wanderer ins Tal und damit
ist es auch klar, warum in den Booten im Edmundsklamm immer viel mehr
Betrieb ist, als im Wilden Klamm. Was mich dann aber vollkommen überrascht
hat, ist die kleine Hütte, die hier unten in der Schlucht auf einmal (seit
Anfang 2006) steht. Hier scheint doch tatsächlich der Nationalpark Böhmische
Schweiz eine Gebühr für das Betreten der Schlucht zu verlangen. Das hat mich
schwer verwundert. Auf meiner Wanderung musste ich noch keine Gebühr
bezahlen, da ich von oben durch das Tal kam, aber die Hütte am unteren Ende
der Schlucht war geöffnet und hier wurde jeder zur Kasse gebeten.
Grundsätzlich habe ich gegen so eine Gebühr überhaupt nichts einzuwenden, solange sie
dann auch irgendwie für den Erhalt oder die Pflege des Gebiets genutzt wird.
So bin ich es gewohnt, dass z.B. die Nationalparks in den USA auch von jedem
Besucher eine kleine Gebühr verlangen. Aber dann findet man auch einen
ordentlichen Service in Form von sauberen Sanitäreinrichtungen und einer
regelmäßigen Müllentsorgung vor. Davon sind aber die drei
gebührenpflichtigen Bereiche (Prebischtor, Edmundsklamm und Tyssaer Wände)
in der Böhmischen Schweiz weit entfernt. So empfinde ich diese Gebühr als
reine Touristen- Abzocke und hoffe, dass sich das in der nächsten Zeit noch
ändert. Die Gebühr scheint im Edmundsklamm 25 Kronen zu sein. Zu dem Preis
kommt dann natürlich noch die eigentliche Kahnfahrt hinzu. Dass man für
diesen Transport bezahlen muss, ist für mich verständlich, da hier ja
immerhin eine Leistung erbracht wird.
Wenn man an der oberen Bootstation des Tichá soutěska (Edmundsklamm) ankommt, muss man die Gebühr an dem kleinen
Häuschen entrichten und dann hoffentlich nicht zu lange auf seine Fahrt
warten. Bei dieser Bootsfahrt gibt es, zusätzlich zu den üblichen
Felsendeutungen (z.B. hier sieht man eine Schlange, einen Großvater, einen
Delphin usw.), noch eine Überraschung in Form eines Wasserfalls. Diesen
Wasserfall betätigt der Bootsführer und es sieht schon wirklich nett aus, wie
die Wassermassen über die Felswand schießen. Nach etwas weniger als einem
Kilometer erreicht man die Staumauer und damit natürlich die unterste
Bootsstation.
Auch hier hat
man eine Fischtreppe gebaut, die noch ein bisschen
aufwendiger aussieht als die Fischtreppe vom Wilden Klamm. Danach geht es
die letzten paar Meter (ca. 2,1 Kilometer) durch die Schlucht bis zur Fahrstraße weiter. An dem
Ende der Schlucht befinden sich gleich mehrere Gaststätten, die alle mit
einer Erfrischung für den geschafften Wanderer locken. Jetzt kommt eigentlich
das unangenehmste Teilstück der Wanderung. Es geht am Rande der Fahrstraße
zwischen Hřensko (Herrnskretschen) und Mezní Louka (Rainwiese) den Berg
hoch. Hier sind üblicherweise immer eine ganze Menge Wanderer unterwegs, da
der Parkplatz am Ende von Hřensko (Herrnskretschen) die nächste Möglichkeit
für das Prebischtor ist. Da das nächste Ziel der Wanderung die Ortschaft
rechts oberhalb der Straße sein sollte und auf mehreren Wanderkarten
mindestens zwei Pfade nach dort oben eingezeichnet waren, habe ich den Hang
äußerst aufmerksam beobachtet. Leider habe ich erst an der Abzweigung zum
Prebischtor den Weg hoch zur Ortschaft Mezná (Stimmersdorf) gefunden.
Vielleicht sollte ich mich tatsächlich nur noch auf die Wanderkarten von Hr.
Böhm verlassen, weil in seiner Karte zur Böhmischen Schweiz kein Pfad
eingezeichnet war. Die Wanderung steigt auf einem breiten Forstweg mit der
gelben Wanderwegmarkierung
den Hang hinauf. Der Weg ist sehr
angenehm zu gehen und nach etwas mehr als 3 Kilometern erreicht man dann die
Ortschaft Mezná (Stimmersdorf). Der Ort ist vollständig auf Urlauber bzw.
hungrige Touristen eingestellt. So viele Gaststätten und Hotels wie in
dieser Miniortschaft sind wirklich selten im ganzen Grenzgebiet zu finden.
Die Wanderung geht auf das letzte Teilstück und das ist die Straße zwischen Mezná (Stimmersdorf) und Mezní Louka (Rainwiese). Die Straße ist keine
Durchgangsstraße, sondern nur die Zufahrt nach Mezná (Stimmersdorf) und
damit nur selten befahren. Auf halber Strecke steht auf der rechten
Straßenseite ein Gedenkstein für Opfer der beiden Weltkriege von Stimmersdorf. Das sehr
sonderbare an diesem Gedenkstein ist, dass alle Namen
entfernt worden sind und man jetzt nur noch sehr grob erkennen kann, dass es
irgendwann mal deutsche Namen gewesen sein müssen. Was ist den Menschen
damals nur in den Kopf gekommen, alle Namen auszuhacken, aber den Stein
stehen zu lassen? Von hier geht es die letzten paar Meter bis zum
Ausgangspunkt zurück. Man erreicht den Parkplatz von der Rückseite. Damit
ist eine ganz nette Runde beendet, die leider durch das Teilstück auf der
Fahrstraße ein wenig getrübt wurde. Aber trotzdem gehört die Runde mit der
wunderschönen Wilden Klamm und Edmundsklamm zu einer der schönsten
Wanderungen der Böhmischen Schweiz.
Durch einen netten Hinweis eines Lesers dieser Wanderung gibt es eine sehr
gute Information:
Der Gedenkstein (Stimmersdorf) für die Opfer der beiden Weltkriege wurde
restauriert. An 3 Seiten des Steines wurden neue Granittafeln mit den Namen
der Opfer angebracht. Unter den Namen sind auch die Deutschen zu
verzeichnen. Die 4. Seite (vom Weg abgewandte) hat noch einen ausgemeißelten
Schriftzug den man aber nicht entziffern kann.
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