Forstweg und asphaltiert
Wanderweg und Pfad
Treppen
Beschreibung:
Diese Wanderung ist dadurch entstanden, dass
mich zwei Leser angeschrieben haben, ob wir nicht irgendwann mal eine Runde
zusammen wandern könnten. Da ich ganz sicher nichts dagegen habe, hatten wir uns am Karfreitag in Hinterhermsdorf verabredet. Da die beiden sich sehr
gut in Hinterhermsdorf auskannten, machten sie gleich einen sehr guten
Vorschlag für die Wanderung, in eine Region, die ich bis dahin noch nicht
erwandert hatte. Hier kommt die passende Beschreibung zu der Runde.
Der beste Startpunkt der Wanderung ist der große Parkplatz im Zentrum von
Hinterhermsdorf. Von hier geht die Wanderung erstmal in die Richtung
Neudorf. Das heißt, die ersten paar Meter der Wanderung erfolgen auf der
Wanderwegmarkierung blauer Strich
und dann weiter auf dem gelben Strich
über die Neudorfstraße. Nach ungefähr 300 Metern auf dieser wenig
befahrenen Straße liegen links hinter den Wohnhäusern mehrere Industriehallen
der Stahl- und Anlagenbau GmbH Hinterhermsdorf. Diese Hallen passiert man
noch und dann geht es hinter den Hallen auch schon aus der Ortschaft auf dem
gelb markieren Wanderweg
heraus. Auch diesem markierten Wanderweg
folgt man nur ein kurzes Stück von 400 Metern, bis man noch mal nach links
auf Hinterhermsdorf
herunter blicken kann. Hier wird der markierte Weg
verlassen und es geht nach rechts unmarkiert auf dem Weg "Am Langk" entlang.
Der Weg geht leicht abfallend an mehreren Häusern vorbei, die hier
vereinzelt am Hang herumstehen. Erst auf den letzten Metern fällt der Weg
steiler bergab und nach diesem Teilstück erreicht man die Hinterdaubitzer
Straße, welche die Verlängerung der Neudorfstraße ist. Warum auch immer hier
überhaupt noch von einer Straße gesprochen wird, ist mir ein Rätsel, da es
sich nur noch um einen unbefestigten Forstweg handelt. Aber vermutlich ist
es früher eine Verbindungsstraße zwischen Hinterhermsdorf und Hinterdaubitz,
das es heutzutage aber nicht mehr gibt, gewesen. Auf jeden Fall führt auch
dieser Forstweg weiter ins Tal hinunter. Nachdem man merklich am tiefsten
Punkt angekommen ist, geht es nach rechts auf der roten/gelben
Strichmarkierung
für ca. 150 Meter weiter. Hier gabelt sich der Weg
schon wieder und die Wanderung geht nach links auf dem unmarkierten Weg zum
deutsch-tschechischen Grenzübergang. Die Ortschaft Zadní Doubice (Hinterdaubitz), die sich früher hier unten im Tal befunden hat, ist heutzutage
fast spurlos verschwunden, nur der Grenzübergang wird immer noch so genannt.
Das kleine Grenzhäuschen, das heutzutage noch hier unten im Tal steht, wird
aber bestimmt in der nächsten Zeit auch verschwinden, da es ja nach dem
Beitritt von Tschechien in die EU und damit zu den Schengener Staaten
vollkommen unnötig wird.
Hinter dem Grenzübergang geht es nach links auf der roten Markierung
in Richtung Khaatal. Hier ist die Strecke sehr einfach zu finden,
da es die ganze Zeit an der Kirnitzsch, bzw. in Tschechien heißt der Bach Křinice, entlang
geht. Der Weg durch das Tal ist wirklich sehr schön und
anscheinend ist die Luft hier unten auch ganz besonders sauber, da gleich an
mehreren größeren Felswänden die gelbe Schwefelflechte zu sehen ist. Nach
einer Strecke von ziemlich genau 3 Kilometern erreicht man die „Turistický
most” (Touristenbrücke). Nach 2/3 der Strecke hat man zwar auch schon eine
Brücke passiert, aber diese Brücke war nur die armselige Zufahrt zu einem
Waldstück. Bei der „Turistický most” (Touristenbrücke) quert der grün
markierte Wanderweg
die Křinice (Kirnitzsch). Daran kann man
einerseits die Touristenbrücke gut erkennen und andererseits ist der Platz
(überdachter Rastplatz und Wanderhinweisschilder) hinter der Brücke schon
ganz gut zu erkennen. Hier verlässt man das Khaatal und es geht nach links
auf der grünen Wanderwegmarkierung
weiter. Der markierte Weg biegt
zweimal im spitzen Winkel nach links ab, solange man sich aber immer an der
Wanderwegmarkierung orientiert, ist der Streckenverlauf sehr einfach zu
finden. Nach einer Strecke von etwas mehr als einem Kilometer und 100
Höhenmetern befindet sich links der Zugang zur
Brtnický hrádek (Zeidlerburg).
Der Zugang ist mit einem separaten Symbol gekennzeichnet und führt über eine
ziemliche Berg- und Talstrecke. Trotzdem sollte man sich diesen Punkt nicht
entgehen lassen und die paar Meter von der Wanderroute abweichen. Im
Ursprung handelt es sich bei der Zeidlerburg um eine Wachburg, die sich
aber, anscheinend wie viele Burgen, in ein Räubernest gewandelt hat. Auf
jeden Fall kann man noch sehr deutlich die Spuren dieses Gebäudes am Felsen
erkennen, da sich in dem runden Felsen eine große rechteckige Aussparung
befindet. Ob es sich dabei um den Keller des Gebäudes und schon um einen
Wohnraum handelte, wird man vermutlich nach mehreren Jahrhunderten als Ruine
nicht mehr klären können. Dass der Zugang heutzutage so schön einfach ist,
verdankt man einem Gebirgsverein, der einige Stufen in den Felsen geschlagen
hat. Die Mannschaft der Burgen wachten über die Handelswege und später über
die in den tiefen Wäldern entstehenden Glasbläseröfen. Eine weitere Art,
seinen Lebensunterhalt zu verdienen, zeigen Reste von Pechhütten und
Kohlemeilern zur Gewinnung von Holzkohle.
Über diesen Zugang geht es wieder zurück zum ursprünglichen Wanderweg.
Diesem folgt man weitere 100 - 150 Meter, um diesmal nach rechts in den Wald
abzubiegen. Der Name des nächsten Ortes ist schwer irreführend: Velký pruský
tábor (Großes Preußenlager).
Dieser Felsenüberhang ist nicht etwa von den
Preußen als Lagerplatz genutzt worden, sondern von den Einheimischen als
Versteck vor den marodierenden Soldaten. Der Zugang erfolgt durch eine enge
Spalte, die irgendwann in vergangenen Zeiten auch noch erweitert worden ist.
Das Versteck ist wirklich gut gewählt und ganz bestimmt nicht so einfach zu
finden gewesen.
Die Wanderung geht weiter auf dem grünen Wanderweg. Überraschenderweise
trifft man dann auf ein paar Gebäude mitten im Wald, die leider heutzutage
einen sehr trostlosen Eindruck machen. Es handelt sich um eine ehemalige
Feriensiedlung, die auf dem Grundstück des Jagdschlösschens Šternberk
(Sternberg) gebaut wurde. Der Wanderweg macht einen Bogen um die
Lichtung und auf der gegenüberliegenden Seite passiert man ein Kreuz und
eine eingefasste Quelle. Der markierte Wanderweg geht parallel zu einer
Überlandstromleitung auf die Ortschaft Zeidler zu. Der Weg steigt leicht an
bis zum höchsten Punkt der gesamten Wanderung, um dann knapp hinter der
Bergkuppe aus dem Wald heraus zu treten. Der Weg verläuft
jetzt über eine Wiese und damit ist die Markierung nicht mehr ganz
so einfach zu finden. Wenn man aber weiß, dass der Wanderweg immer noch an
den Hochspannungsmasten entlang geht, dann entdeckt man die Markierungen an
den Pfosten. Der Weg verläuft auf der rechten Seite neben der Stromleitung
bis runter in den Ort Brtnický (Zeidler). Die Hauptstraße erreicht man neben
dem wunderschönen Haus, welches im Winter 2007/2008 gerade von innen saniert
wurde. Dabei handelt es sich um die ehemalige Villa des
Feinstrickwarenherstellers Johan Klinger, dessen Fabriken leider nicht mehr
existieren (eine stand unmittelbar hinter der Villa und wurde geschliffen).
Heute ist in diesem Haus eine Sozialstation für behinderte Menschen
untergebracht. 1839 gründete Johan Klinger in Brtníky (Zeidler) die
traditionelle Strickindustrie. Die Strickprodukte höchster Qualität,
produziert von der Familie Klinger in Brtníky (Zeidler), Mikulašovice
(Nixdorf), Křečany (Ehrenberg) aber auch in Wien, waren in ganz Europa
bekannt. Brtníky (Zeidler) erlebte in der Zeit einen ungeahnten Aufstieg und
hatte über 3000 Einwohner. Heute leben nur noch ca. 200 ständige Einwohner
im Ort.
Die weitere Wanderung muss jetzt leider ein paar Meter nach links
über die Hauptstraße weiter gehen, aber zum Glück sind auf tschechischen
Ortsstraßen bei weitem nicht so viele Autos unterwegs wie in Deutschland.
Nach ungefähr ½ Kilometer auf der Straße biegt links der blau
markierte Wanderweg
in die Richtung Kopec, einem Ortsteil von Brtniky, ab. Auch dies ist immer noch eine
Ortsstraße, aber hier trifft man wirklich nur sehr selten ein Auto an. Auf
der blauen Markierung geht es zuerst noch ein ganzes Stück durch die letzten
Ausläufer der Ortschaft Kopec (Hemmehübel) und dann beginnt das Tal des Brtnický potok (Zeidlerbachs).
Tradition hatte in Kopec das Glockengießerhandwerk in der Nr. 36. Von hier
stammte der berühmte Glockengießer Zachariás Dittrich, der 1740 nach Prag
ging, wo er berühmt wurde. Zu Brtniky gehört auch die Burg Brtnický hradek
(Räuberschloss), die heute ein Anziehungspunkt für viele Touristen ist.
Gleich zum Anfang des Waldes weist eine Tafel
auf den ehemaligen Standort einer Mühle bzw. eines
Sägewerks hin. Dass in dem Tal
damals ein größerer Betrieb gestanden hat, ist heutzutage kaum mehr
vorstellbar. Ein paar Meter hinter der ersten Informationstafel befindet
sich eine Gedenkstätte in Form einer Steinsäule. Im ersten Moment könnte man
bei dieser Säule denken, es handelte sich um eins dieser in Böhmen häufigen Kreuze,
aber hier wird an den Tod eines Johannes Zimmer erinnert. Der Weg geht durch
das sehr ruhige Tal des Brtnický potok (Zeidlerbachs) und folgt dem blauen
Strich, bis der Bach in die Kirnitzsch mündet. Damit hat man dann auch
wieder die deutsche Grenze erreicht und hier bietet sich gleich mal eine
etwas andere Grenz- bzw. Bachüberquerung an. Auf der rechten Wegseite
befindet sich der Weißbach und in dessen Bachlauf liegen Felsbrocken,
damit auch Wanderer ohne Weitsprungerfahrung den Bach überqueren können. Durch den Weißbach
verläuft auch noch die Grenze, aber seit die Tschechische Republik zur EU
bzw. dem Schengener Abkommen gehört, kann man die Grenze hier ohne
Befürchtungen übertreten. Durch dieses kleine Abenteuer muss man außerdem
hier unten im Kirnitzschtal keine Strecke zweimal laufen, sondern es geht
auf der anderen Bachtalseite über den gelben Strich
nach links weiter.
Nach einer kurzen Strecke (½ Kilometer) erreicht man zwei einsame Häuser.
Die Adresse zu diesen beiden Häusern ist dann schon selbsterklärend: Im
Loch. Die einzigen Mitmenschen, die hier von Zeit zu Zeit störend
vorbeikommen, dürften ein paar Wanderer und der Postbote sein. Die Wanderung
führt bis zum ungewöhnlichen Rastplatz am Mönchstein. Hier stehen unter dem
gewaltig überhängenden Mönchstein zwei Bänke und ein Tisch, an denen ich aber
noch nie einen Wanderer rasten gesehen habe. Irgendwie sind nicht nur mir
die Felsmassen zu erdrückend. Hinter diesem Felsen geht es unmarkiert den
Berg hoch nach Hinterhermsdorf. Da es sich um einen Forstweg handelt, der
aber auch vom besagten Postboten befahren wird, ist die Steigung sehr
angenehm und nach diesen letzten 2 ½ Kilometern hat man die 180 Höhenmeter
überwunden. Damit ist eine sehr nette Runde beendet und wieder einmal habe
ich mich drüber gefreut, mit ein paar Lesern der Internetseiten eine
Wanderung unternommen zu haben. Herzlichen Dank an Susanne und Michael aus
Celle bzw. Saupsdorf.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Bad Schandau. Von Bad Schandau mit
dem Bus R-241.
Auto:
Über die B172 bis Bad Schandau. Bitte den Weg über Sebnitz wählen, da die Strecke durch Kirnitzschtal quer durch den Nationalpark führt. Von Bad Schandau weiter nach Sebnitz und dann über Saupsdorf nach Hinterhermsdorf. Der große Parplatz liegt gleich im Zentrum von Hinterhermsdorf am Erbgericht.
Empfohlener Parkplatz:
Hinterhermsdorf Ortsmitte
; Parkplatzgebühr für die Wanderung:
2,5 €
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
MapSource
Google Earth
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