Wir mussten mal wieder die Zeit überbrücken, in
der unsere Mädels beim Anders Hof (www.anders-hof.de)
auf den Pferderücken das größte Glück fanden. Da uns auf der Wanderung
Entenfarm ein Schild vom Apfellehrpfad
Ehrenberg begegnet war, musste doch gleich mal im Herbst, zur potenziellen
Erntezeit, ein kleiner Bogen
hierher unternommen werden. Der Startpunkt der Wanderung ist der Anders Hof
bzw. das Zentrum von Ehrenberg. Na gut, die Bezeichnung Zentrum ist bei
diesem riesig langen Dorf wirklich komisch, aber vielleicht lässt sich die
Stelle auch mit der einzigen Engstelle im Dorf beschreiben. Von hier geht es
leicht abfallend auf der Hauptstraße entlang. Auf der rechten Straßenseite
verläuft ganz unauffällig der alte Bahndamm der ehemaligen Schmalspurbahn
von Goßdorf-Kohlmühle nach Hohnstein, der auch als Ersatz für den nicht
vorhandenen Bürgersteig benutzt werden kann.
Nach
einer Strecke von ½ Kilometer macht die Straße einen Schlenker um ein
langgezogenes Gebäude, das heutzutage als Lagerhalle bzw. Werkstatt benutzt
wird. Bei diesem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Bahnhofsgebäude
von Ehrenberg. Ganz besonders komisch sind die beiden Schilder, auf denen
steht, dass man das Bahngelände nicht betreten darf. Ok,
es
ist Privatgelände und sollte deswegen schon nicht betreten werden, aber hier
fährt seit mehr als ½ Jahrhundert keine Bahn mehr, da im Jahre 1951
die Schienen entfernt wurden. Hinter dem Gebäude geht es noch mal 200
Meter auf der Hauptstraße weiter, bis nach rechts die Mühlstraße abbiegt.
Diese
Straße ist eigentlich nur eine Abkürzung für den Bogen der Hauptstraße, aber
dadurch, dass hier nur Anwohnerverkehr unterwegs ist, macht das Wandern viel
mehr Spaß. Sehr passend zu dem Namen Mühlenstraße befindet sich an einem
Gebäude auf der linken Straßenseite ein alter Mühlstein. Auch wenn ich sehr
wenig Ahnung von Mühlen bzw. Mühlsteinen habe, aber dieses relativ große Rad
sieht irgendwie nagelneu aus.
Als nächstes geht es wieder neben der Hauptstraße auf der ehemaligen
Bahntrasse entlang, bis nach ¼ Kilometer eine Zufahrt zu einem
Bauernhof nach rechts abzweigt. An dieser Stelle geht
der Bahndamm schräg rechts vorne weiter. Hier steht auch ein Hinweisschild auf die Ortschaft Lohsdorf. Dadurch, dass die Straße nach links oben verschwindet und sich nur
noch das kleine Bächlein auf der rechten Seite neben dem Wanderweg entlang
schlängelt, ist der Weg hier richtig romantisch. Erst mit dem Erreichen der
Wanderwegmarkierung gelber Strich
,
der nach rechts weiter gefolgt wird, wird der Bach verlassen und es geht
an ein paar Feldern und Wiesen entlang in Richtung Lohsdorf. Mit dem
Erreichen des Dorfes geht es nach links und schon nach 30 Metern wieder
nach rechts (An der Glasstraße). Nach 200 Metern auf der Straße erreicht man
eine Kreuzung mit der Oberdorfstraße, der man nach rechts bergauf folgt.
Bei dieser Straße handelt es sich um eine nette Dorfstraße, an der sich so
mancher Bauernhof anschließt, aber sich der Straßenverkehr in Grenzen hält.
Eigentlich wollten wir nach ein paar hundert Metern auf der Straße nach
links abbiegen, da alle möglichen Wanderkarten hier einen Feldweg anzeigten,
aber in der Realität beginnt der
Feldweg
im Hofe eines Bauerhofes und so sind wir doch lieber weiter geradeaus
gewandert. Das ist aber auch überhaupt nicht schlimm, da auch dieser Weg
ganz angenehm zu wandern ist. Das letzte Haus am Ortsausgang ist ein sehr
schöner Neubau, bei dem man durch ein paar künstliche Terrassen den Garten
nett angelegt hat und der Teich oberhalb des Hauses wirkt auch sehr
einladend.
Die Wanderung führt auf den sehr gut ausgebauten Feldweg heraus. Warum auch
immer dieser Feldweg sogar asphaltiert ist, das können wir uns nicht
erklären, aber dadurch ist er bei jedem Wetter gut zu begehen. Nach ziemlich
genau einem Kilometer erreicht man einen Feldweg auf der linken Seite. Hier
sollte eigentlich die Wanderung in der ersten Planung wieder herauskommen,
aber auch der andere Weg war, wie gesagt, ganz nett. An dieser Stelle
erwartete uns eine kleine Überraschung, da wir hier einen Jäger mit seiner
Flinte sahen. Es kam uns schon ziemlich komisch vor, ihn in einer kurzen
Entfernung zu passieren. Seltsamerweise haben wir innerhalb von wenigen
hundert Metern gleich noch zwei Jäger getroffen und das hat unsere Neugierde
dann so verstärkt, dass wir den letzten dann auch gefragt haben, was der
Grund für die Ansammlung wäre. Die Erklärung war ganz einfach. In der Nähe
wurde ein Maisfeld geerntet und in solchen Feldern versteckt sich ganz
besonders gerne Schwarzwild (so sagen die Jäger zu den Wildschweinen). Zum
Glück waren die Viecher schlau und haben sich rechtzeitig davongemacht und so tauchte keins auf,
bis auch der
letzten Streifen abgemäht war.
Etwas mehr als ¼ Kilometer hinter der letzten Kreuzung kommt man zur
nächsten Kreuzung mit einer steinernen Hinweissäule. Hier sind keine Pfeile gemalt, sondern eine Hand, die
mit dem Zeigefinger die jeweilige Richtung weist. Das sieht viel lustiger aus
als ein langweiliger Pfeil, aber es dürfte für den Steinmetz einen ganzes
Stück mehr Arbeit gewesen sein. Hier nach rechts beginnt der eigentliche
Apfellehrpfad. Bevor man aber nach rechts abbiegt, sollte man noch mal ein
paar Meter nach links gehen. Hier steht das
Schild, das uns im
Ursprung auf den Apfellehrpfad aufmerksam gemacht hat. Bei dem ersten Blick
auf das Schild konnte ich leider mit dem Ausdruck "Pomologischer" Lehrpfad
überhaupt nichts anfangen. Erst zu Hause habe ich dann herausgefunden, dass Pomologie der hochtrabende Ausdruck für Obstbaukunde ist.
Jetzt geht es also auf dem besagten Weg in Richtung Ehrenberg.
An
beiden Seiten des Weges stehen unterschiedlich alte Apfelbäume, bei denen
die jungen sehr häufig mit sehr guten Erklärungstafeln ausgestattet sind.
Eigentlich sollten es 28 Hinweisschilder sein, aber irgendein Trottel hat im
Herbst einen großen Teil der Schilder mitsamt den Pfosten geklaut und so
können wir nur zu 13 Apfelbäumchen auch die Sorte nennen: Laxton Superb,
Rheinischer Krummstiel(Granatrenette, Goldrabau), Adersleber Kalvill, Kaiser
Wilhelm (Wilhelmapfel), Rote Sternrenette (Calville etoilée, Apfel des
Herzens), Croncels (Apfel von Croncels, Transparente de Croncels, Glasapfel,
Rosenapfel), Gravensteiner (Prinzessinapfel, Blumenkalvill, Ernteapfel,
Sommerkönig), Prinz Albrecht von Preußen (Albrechtsapfel), Roter Eiserapfel
(Herzapfel, Christapfel, Eisapfel, Roter Krieger, Paradiesapfel, Kohlapfel,
Schornsteinfeger), Jakob Fischer (Schöner vom Oberland), Brettacher (Brettacher
Gewürzapfel), Jacob Lebel, Oberlausitzer Muskatrenette (Gewürzrenette,
Muskatrenette).
Auf den Tafeln steht aber bei weitem mehr als nur der Name. Als Beispiel
habe ich dazu mal die Rote Sternrenette (Calville etoilée, Apfel des
Herzens) ausgesucht:
Rote Sternrenette (Calville etoilée, Apfel des
Herzens)
Pflückreife:
Ende September - Anfang Oktober
Genußreife:
Oktober - Januar
Geschmack:
süß-säuerlich, schwach aromatisch, etwas parfümiert
Fruchtfleisch:
gelblich weiß, oft am Rand gerötet oder rosa durchwachsen,
druckfest, mäßig saftig, viel Vitamin C
Schale:
glatt, matt, trocken, zäh
Farbe:
gelblich grün bis purpurrot, scharlachrot bis
dunkelrot, helle Rostpunkte auf der Schale (wie Sterne), oft ist die
Frucht fein hellbläulich bereift
Frucht:
mittelgroß, plattrund, hin und wieder mit Warzen,
nicht windfest, extrem kurzer Stiel
Verwendung:
universal, hochwertiges Tafelobst, zum Backen,
Einkochen, für Saft und Mus, Weihnachtsapfel
Baum:
anspruchslos und widerstandsfähig. Wuchs anfangs mittelstark,
später starkwüchsig und aufstrebend, frostharter Spätblüher.
unregelmäßiger Ertrag
wahrscheinlich aus der Umgebung von Maastrich / Niederlande,
1830 erstmals beschrieben
Die Tafeln sind wirklich toll gemacht und es ist super schade, wenn
irgendein Mitmensch so etwas zerstört. Gestaltet wurde der Apfellehrpfad vom
Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz e.V. und finanziert von der
Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt.
Nach diesem sehr interessanten Teilstück der Wanderung erreicht man bald
den südlichen Rand von Ehrenberg. Hier geht es relativ steil den Hang
abwärts und man sollte sich gleich rechts halten, damit man nicht
wieder auf der Hauptfahrstraße entlang wandern muss. Die nette Dorfstraße
heißt irritierenderweise Hauptstraße, aber das ist bei fast allen Straßen
in Ehrenberg so. Nach
ein paar Metern passiert die Wanderung einen Forellenteich auf der linken
Straßenseite und nach noch ein paar Metern ist auch schon der Ausgangspunkt
der Runde erreicht. Es ist nicht eine von den wahnsinnig
aufregenden Wanderungen in der Sächsischen Schweiz, aber wenn man sowieso in
Ehrenberg oder Lohsdorf ist, dann bietet sich der Apfellehrpfad als ein
netter Nachmittagsspaziergang an.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Pirna. Von Pirna mit dem
Bus R-236 oder
Bus R-237.
Auto:
Über die B172 Bad Schandau > Porschdorf > Hohnstein. Oder auch von Pirna die Elbe auf der alte Brücke überqueren und dann über Lohmen nach Hohnstein. In Hohnstein an der abknickenden Vorfahrtstraße nach links und dann bis Ehrenberg. Einen Kilometer hinter dem Ortseingang (an der Schmalstelle) befindet sich der Parkplatz auf der rechten Straßenseite.
Empfohlener Parkplatz:
Ehrenberg Ortmitte
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
MapSource
Google Earth
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