Da wir schon einige Male von dem riesigen
Eiszapfen bzw. gefrorenen Wasserfall in der Gautschgrotte gehört hatten,
aber noch nie im Winter da waren, um das Ding in Natura anzusehen, dachten
wir, dass in dem ordentlichen Winter 2010/2011 etwas zu sehen sein müsste
und haben uns also auf den Weg nach Hohnstein gemacht. Den Startpunkt hatten
wir an den ehemaligen Schmalspurbahnhof von Hohnstein gelegt und hier
stiegen fast gleichzeitig mit uns ein paar Kletterer mit ihren Seilbündeln
aus dem Auto. Da das Eis in der Gautschgrotte zuweilen von Klettern zum
Eisklettern als eine besondere Abwechslung für den Winter genutzt wird,
waren wir uns sicher, dass diese Leute dort hin wollten und guter Dinge,
dass wir einen ordentlichen Eiszapfen zu sehen bekämen. Leider sollte es
anders kommen als gedacht. Aber dazu später.
Von dem Parkplatz geht es nach links auf der Brandstraße der
Wanderwegmarkierung roter Strich
hinterher. Am Waldrand passiert man das Altersheim und gleich dahinter biegt
nach rechts der Neuweg ab. Auch
hier ist der Wanderweg noch mit der roten Wanderwegmarkierung
gekennzeichnet. Im Winter ist der Neuweg ein angenehm zu wandernder
Forstweg, der sich schnurgerade durch den Wald zieht. Das kann im Sommer
langweilig wirken, aber im Winter ist der festgetrampelte Pfad ganz
angenehm. Insgesamt wandert man eine Strecke von etwas mehr als ½ Kilometer,
bis der Neuweg hinunter ins Polenztal absteigt. Am oberen Rand verläuft die
Wanderwegmarkierung grüner Strich
,
die hier nach rechts in Richtung Hohnstein verfolgt wird. Zuerst heißt der
Weg Räumichtweg und wechselt dann zu Halbenweg. Nach ein paar hundert Metern
erreicht
der Weg eine große Wiese, an deren Rand eine kleine unscheinbare Quelle
entspring. Im Sommer fällt einem die Quelle an der Räumichtwiese überhaupt
nicht auf, aber bei Schnee sieht man an der Stelle den dunklen Boden und das
Minirinnsal. Es ist wirklich komisch, dass hier oben auf der Ebene einen
Vielzahl an Quellen entspringt. Der Untergrund muss ziemlich feucht bzw. das
Grundwasser überraschend hoch sein.
Der Weg hier oberhalb des Polenztales ist sehr angenehm zu wandern und wird
auch immer wieder gerne als abwechslungsreicher Zugang zur Brandaussicht
benutzt. Nachdem man einen Kilometer auf dem Räumichtweg gewandert ist,
biegt der markierte Wanderweg nach links ab und es geht tatsächlich mal ein
paar Höhenmeter abwärts. Die Stelle ist schon ziemlich seltsam, da es mit
einem ziemlich breiten Durchgang bzw. eigentlich könnte man schon von
Durchfahrt sprechen eine Ebene tiefer geht.
Vermutlich
ist dieser Abstieg mal als Zufahrt für den dahinterliegenden Steinbruch
angelegt worden. An der rechten Felswand kann man sehr deutlich russische
Buchstaben erkennen, was man im Winter mit ein bisschen Schnee noch
verstärken kann. Das Familienmitglied mit den russischen Sprachkenntnissen
meinte, es wäre der Städtename Wolgograd (Волгоград).
Die Wanderung folgt weiterhin der grünen Wanderwegmarkierung und passiert
bald den kleinen Steinbruch. In den unteren Felswänden des Steinbruchs
befinden sich einige gut lesbare Inschriften, wobei gleich mehrere durch
ihre besonders geschwungenen Buchstaben auffallen. Der weitere Wanderweg
über den Halbenweg ist super angenehm zu wandern und nach 1 ½ Kilometern
erreicht man ein Hinweisschild auf die
Gautschgrotte.
Hier wird der Wanderweg für einen Abstecher in die Grotte verlassen. Die
Gautschgrotte ist eine ziemlich große Einbuchtung in die Felswand, in der
über die obere Kante ein kleines Rinnsal nach unten tropft.
Dadurch,
dass das Wasser aber ein ganzes Stück vor der Felswand herunter tropft, kann
sich bei tiefen Temperaturen ein richtig gewaltiger Eiszapfen bilden. Als
wir dorthin gewandert waren, war es zwar vorher schon einen ganzen Monat
ordentlich winterlich, aber leider hatte sich noch kein durchgängiger
Eiszapfen gebildet. Trotzdem sahen die Gebilde von oben und unten schon
imposant aus. Auffällig war,
dass
sowohl der Eiszapfen von oben als auch der ihm von unten entgegenwachsende
beide hohl waren und der untere Eiszapfen wie ein geöffneter Tannenzapfen
aussah. Die Schuppen (so nennt man die Blätter von Tannenzapfen wirklich)
waren so groß, dass wir mit der gesamten Hand in den Zwischenraum
hineinfahren konnten. Außer uns waren noch einige andere Wanderer in die
Gautschgrotte gekommen, aber irgendwie fehlten uns die Kletterer. Sollten
die schon unverrichteter Dinge wieder abgezogen sein, oder versuchten sie
irgendwo anders an einer der vielen vereisten Felswände zu klettern?
Für unsere weitere Wanderung geht es wieder zurück auf den grün markierten
Wanderweg
und dann nach rechts in Richtung Hohnstein.
Schon
nach wenigen Metern erreicht man eine schwarze Inschrift auf dem rechten
Felsen, die ganz besonders "verdächtig" ist. In den Anfängen des Tourismus
(Anfang 1800) in der Sächsischen Schweiz hat Wilhelm Leberecht Götzinger
einen Wanderführer herausgebracht, in dessen erster Auflage die Empfehlung
stand, dass man schwarze Farbe bei den Erkundungen dabei haben sollte, um
mit dieser der Nachwelt seine Anwesenheit mitzuteilen. Herr Götzinger hat
sehr schnell entdeckt, dass diese Empfehlung zu einer Verschandelung der
Natur führt und sie in der nächsten Auflage seines Wanderführers
herausgelassen.
Trotzdem
kann man dadurch feststellen, dass diese besonders auffälligen Graffitis
heutzutage annähernd 2 Jahrhundert alt sind. Auf der gegenüberliegenden
Wegseite befindet sich eine Bank, von der man einen netten Blick auf die
Burg Hohnstein hat. Leider stehen immer irgendwelche Bäume im Weg, so dass
kein ordentliches Foto von der Burg zu machen ist, aber damit hat das Auge
bzw. das Gehirn bei der Aussicht kein Problem.
Auf dem weiteren Weg in Richtung Hohnstein muss der obere Teil
des
Schindergrabens überwunden werden und das erfolgt über eine schicke
Sandsteinbrücke. Durch das Sandsteingeländer wirkt die Brücke im Winter noch
viel schöner als im Sommer. Ganz interessant sind auch die Felsen hinter der
Brücke, weil sich hier im Winter großflächige Eiswände bilden. Als wir die
Stelle passierten, lag neben dem Wanderweg ein mächtiger Eiszapfen, der
anscheinend von der Wand abgebrochen und dann den Hang herunter geschlittert
war. Hier stößt zum gemütlichen Wanderweg auch noch der Aufstieg aus dem
Schindergraben/Polenztal hinzu und wenige Meter dahinter passiert man Reste
einer mächtigen Mauer. Dabei handelt es sich um die untere Begrenzung des
ehemaligen Bärengeheges. Hier wurden früher (1609 - 1756) Bären aufgezogen
und gehalten, um sie dann zur Belustigung des Hofes nach Dresden zu bringen.
Gleich in dem ehemaligen Bärengarten beginnt der einzige ernstzunehmende
Aufstieg bei dieser Wanderung. Am Ende der Steigung erreicht man ziemlich im
Zentrum von Hohnstein das schicke Rathaus, das auch immer wieder von
Brautpaaren als Kulisse für schöne Fotos genutzt wird. Hier geht es nach
rechts die nächsten 100 Meter auf der Rathausstraße, bis es wieder nach
rechts in eine kleinere Gasse hineingeht. Dabei handelt es sich um die
Verlängerung der Alten Brandstraße. Im Winter kann man bei dieser Gasse ein
wenig Pech haben, wenn die Anwohner am oberen Ende nicht mehr wissen, wohin
mit den Schneemassen, dann wird die Gasse schon mal als Ablage benutzt. Von
der Gasse geht es weiter geradeaus und schon nach ein paar Metern auf der
Alten Brandstraße stößt man auf die Max-Jacob-Straße. Hier geht es noch das
letzte Stückchen nach rechts bis zum Ausgangspunkt der Wanderung.
Eigentlich hatten wir gehofft, in der Gautschgrotte Kletterer an dem
gefrorenen Wasserfall anzutreffen, aber irgendwie waren das noch bei weitem
keine brauchbaren Bedingungen. Vermutlich muss es noch ein ganzes Stück
länger kalt und kälter sein. Aber irgendwann werden wir diese ganz
besonderen Kletterkünstler schon noch sehen. Vielleicht muss man einfach im
späteren Winter noch mal vorbeischauen. Die Wanderung war eine sehr
angenehme Winterwanderung, die schön und fast ohne Höhenunterschied durch
einen verschneiten Wald gegangen ist. Leider fehlte der Runde aber eine
besondere Aussicht, die eine perfekte Wanderung in der Sächsischen Schweiz
ausmacht.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Pirna. Von Pirna mit
dem Bus R-236 oder
Bus R-237.
Auto:
Über die B172 Bad Schandau > Porschdorf > Hohnstein. Oder auch von Pirna die Elbe auf der alte Brücke überqueren und dann über Lohmen nach Hohnstein. In Hohnstein fährt man am Parkplatz Eiche bzw. an der großen Bushaltestelle in Richtung Brand. 350 Meter hinter dem Parkplatz Eiche befindet sich der Parkplatz Hohnsteiner Bahnhof auf der linken Seite.
Empfohlener Parkplatz:
Hohnstein Bahnhof
; Parkplatzgebühr für die Wanderung:
3 €
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
MapSource
Google Earth
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