Forstweg und asphaltiert
Wanderweg und Pfad
Treppen
Beschreibung:
Ich hatte mal wieder in den unterschiedlichen
Büchern über die Sächsischen Schweiz gestöbert und im Malerwegbuch von Dr. Rölke
(www.bergverlag-roelke.de)
einen Hinweis zu einer Thümmelgrotte an der Brandaussicht gelesen. Komisch,
die Brandaussicht ist einer der Punkte, die ich schon sehr häufig besucht
habe. Sollte es dort tatsächlich irgendetwas geben, was ich noch nicht
gesehen habe? So geht das nicht und deshalb habe ich gleich mal eine kleine
Expresswanderung dorthin unternommen. Damit die Wanderung nicht
so ein Standard-Brand-Spaziergang wird, habe ich den Startpunkt
nach Waitzdorf gelegt. Als ich die Runde zu Ostern 2011 begonnen habe, zogen
dicke Wolken über die Sächsische Schweiz und in der Entfernung war
ordentliches Gerumpel von einem Gewitter zu hören. Na ja, das wäre nicht
das erste Mal, im strömenden Regen oder bei einem Gewitter durch die Felsen
zu schleichen und deshalb bin ich erst mal auf den Waitzdorfer Berg hoch
gestiegen. Dazu geht es von dem Parkplatz in Richtung der
Galloway-Rinder. Der schönere Weg auf den Waitzdorfer Berg führt gegen den
Uhrzeigersinn um die Weide der zotteligen Viecher. Inzwischen kann man diese
Sorte an Rindern an mehreren Stellen in der Sächsischen Schweiz entdecken,
aber ich glaube, zuerst haben sie hier gestanden. Ich finde es schon ziemlich
ungewöhnlich, dass diese Tiere zu jeder Jahreszeit hier draußen stehen.
Selbst in bitterkalten Wintern trotzen sie der Kälte und dem Schnee. Als ich
an der Herde vorbeigewandert hin, habe ich die Viecher mal wieder bestaunt
und überhaupt nicht auf den Untergrund geachtet. Tja und schon habe ich mich
vertreten und damit eine seltsame Bewegung gemacht. Das hat die Herde so
erschrocken, dass alle einen ordentlichen Satz vom Zaun weg unternommen
haben, aber sie haben auch sofort wieder neugierig geschaut, was der seltsame Mensch
denn dort tut.
Die Wanderung führt zwischen der Koppel und dem Wald entlang und nach ein
paar Haken erreicht man den Waitzdorfer Berg. Der Hügel ist einer der ganz
besonders unscheinbaren Berge der Sächsischen Schweiz, der aber von sehr
vielen Stellen zu sehen ist. Dadurch hat man natürlich auch von dem Berg
eine ordentliche Sicht in alle Himmelsrichtungen. Netterweise ist die
gesamte Kuppel des Berges auch waldfrei, sodass einem Rundblick buchstäblich nichts im
Wege steht. Zu meinem Wanderzeitpunkt konnte ich spätestens hier ein
ordentliches Gewitter auf der anderen Elbseite beobachten. Aber irgendwie
habe ich an die Worte der Altendorfer geglaubt, dass es häufiger Gewitter
gibt, die es nicht über die Elbe schaffen. Na also, aber ein bisschen sputen
wollte ich mich doch lieber.
Also habe ich einen kurzen Blick in die Landschaft unternommen und bin
gleich weiter in Richtung Tiefer Grund und Grundmühle. Dazu geht es gleich
in der Verlängerung des Weges weiter und noch ein paar Meter in den Wald
hinein. Hier hält man sich rechts und es geht auf dem Weg mit dem unschönen
Namen Leichenweg den Hang hinunter. In dem Bereich zwischen der Wiese und
dem Tiefen Grund befindet sich ein wahres Labyrinth an Waldwegen, wenn man
sich aber daran orientiert, dass es immer weiter abwärts geht, dann erreicht
man tatsächlich am einfachsten die Gaststätte Grundmühle (www.grundmuehle-hohnstein.de).
Wenige Meter vor der Grundmühle biegt man nach links ab und wandert 100 Meter auf der
Wanderwegmarkierung gelber Strich
bis zur Straße. Die Grundmühle liegt, wie der Name schon sagt, ziemlich in
der Senke, aber an einer etwas breiteren Stelle, sodass auf die Terrasse
relativ lange die Sonne scheint. So kann man bei passendem Wetter sehr angenehm
draußen sitzen und sich stärken.
Links von dem Mühlenhauptgebäude steigt ein unscheinbarer Waldweg aufwärts.
Er führt leicht ansteigend aus dem Tiefen Grund heraus. Sehr komisch war,
dass das anfangs beschriebene Gewitter tatsächlich immer noch nicht über
mich hereingebrochen war.
Genauer
gesagt schien sogar die Sonne auf der rechten Elbseite und so ging die
Wanderung sehr angenehm in Richtung Hohnstein. Das erste Stück erfolgte
durch ein Waldstück und dann geht es weiter in einem weitläufigen Wiesental
mit einer größeren Kuhherde. Auch diese Wiederkäuer sind genauso neugierig
wie die Galloways und haben mich aufmerksam gemustert. Vielleicht liegt es
daran, dass über diesen Weg anscheinend doch nur sehr wenige Wanderer kommen. Den
Stall der Kuhherde kann man nach ein paar hundert Metern auf der rechten
Seite entdecken. Die Wanderung geht fast schnurgerade über die Wiese und
erreicht die Straße an der alten Kretzschelei. Im Ursprung ist gleich neben
diesem Dreiseitenhof der Bahnhof der Schmalspurbahn geplant gewesen, aber dann
ist der Bahnhof doch ein paar Meter weiter in die Stadt verlegt worden.
Heutzutage sieht man an der Stelle keine Spuren mehr, aber das liegt auch
daran, dass die ursprüngliche Bahnlinie zwischen dem länglichen Gebäude
(heutzutage zum Teil Jugendclub Hohnstein) und der Kretzschelei verlief.
Gleich hinter dem eingezäuntem Gelände kann man dann aber auch wieder den
Bahndamm mit dem typischen Schotter entdecken. Auf dieser Trasse geht die
Wanderung weiter in Richtung Hohnstein. Nach einer kurzen
Strecke passiert man eine der alten Viadukt- Brücken der
Schmalspurbahn. Es ist schön, dass damals die Schmalspurbahn darauf
ausgelegt worden ist, viele Jahrzehnte zu bestehen und so die
Bauwerke ordentlich stabil errichtet wurden. Im Sommer hat man von der
Brücke einen netten Blick auf das Treiben im Hohnsteiner Freibad. Die
Wanderung führt weiter auf der ehemaligen Bahntrasse, die aber hinter der
Brücke in eine normale Straße wechselt. Schnell ist man auf der Rückseite
des ehemaligen Bahnhofes. Heutzutage ist auf dem Gelände ein Busunternehmen
untergebracht und so macht man einen kleinen Schlenker rechts um das Gelände
bis zur Brandstraße.
Auf der Brandstraße geht es nach links, wobei nur die ersten paar Meter
überhaupt ein kleines bisschen anstrengend sind. Mit dem Passieren der
Vorderseite des Bahnhofsgebäudes geht es auf gleichbleibender Höhe immer
weiter geradeaus. Zuerst passiert man noch einige Häuser und das Altersheim
von Hohnstein. Danach geht es in den Buchenwald, auf der gut ausgebauten
Forststraße
entlang. Wenn man die Wanderung an einem schönen, womöglich langen
Wochenende unternimmt, dann strömen auf diesem Waldweg richtig große Mengen
andere Wanderer und Spaziergänger hin und her. Diese Menschenmengen sind aber
auch nur in der Zeit von 13 - 16 Uhr unterwegs und vielleicht sollte man
genau diesen Zeitraum dann auch meiden.
Nicht
nur die Besuchermassen auf der Brandstraße sind sonst leicht störend, viel
schlimmer ist, dass alle mit der Brandaussicht das gleiche
Ziel
haben. Insgesamt führt die Wanderung 2
½ Kilometer vom Waldrand bis zur Gaststätte bzw. der Aussicht am
Brand. Hier kann man sich sehr nett mit Getränken und ordentlichem Essen
stärken, ohne den gigantischen Touristenzuschlag zahlen zu müssen. Besonders schön an dieser Gaststätte (www.brand-baude.de)
ist, dass man direkt an der schönen Aussicht sitzen kann.
Bevor es auf die Erforschung der Brandumgebung geht, sollte man noch einen
Abstecher in das Informationshaus des Nationalparks unternehmen. Hier finden
immer wieder wechselnde Ausstellungen statt, sodass man selbst bei mehrfachem
Besuch des Brands immer mal wieder hineinschauen sollte. Von der
Terrasse biegt auf der linken Seite ein ganz schmaler unscheinbarer Gang ab.
Wenn einem hier zu viele Besucher herumwuseln, dann kann man auch einen
Bogen um die Gebäude in Richtung Brandstufen unternehmen und gleich
auf der Rückseite der Gaststätte durch den Wald zur Thümmelgrotte vorstoßen.
Für
mich war die Thümmelgrotte und auch die steinerne Brücke eine echte
Überraschung. Bis
zu der Wanderung bin ich bestimmt schon 10 Mal am Brand gewesen und noch nie
habe ich diese Brücke, die Thümmelgrotte und die ruhige Aussicht dahinter
gesehen. In der künstlichen Grotte befindet sich eine ungewöhnlich lange
Inschrift, die leider nur sehr schwer zu entziffern ist. Der Text stammt vom
Namensgeber der Grotte Herrn Moritz August von Thümmel (1738-1817) und ist
wie folgt:
„Wohl mir, daß mir noch unverwöhnet
die Lockung der Natur
gefällt,
solch eine Gegend, Freund, versöhnet
mich mit dem Überrest der Welt.
Man wird des Lebens überdrüssig
bei aller Ebb’ und Flut der Stadt:
doch hier geschäftig oder müßig,
wird keiner seines Daseins satt.“
Von der Aussicht hatte sich der Blick in den Himmel im Gegensatz zu der
Seite bei Hohnstein gewaltig geändert. Der Himmel war tief schwarz und immer
wieder zuckten Blitze entlang. Kein Wunder, dass zu meiner
Wanderzeit
kein einziger Mensch in Richtung Brandaussicht wanderte. Deshalb
habe ich mich gleich auf den Weg zu den Brandstufen gemacht.
Bevor man aber die Stufen herab steigt, sollte man unbedingt noch einen
kleinen Schlenker zu der Aussicht Hafersäcke unternehmen. Diese Aussicht
befindet sich oberhalb des Tiefen Grundes und man kann fantastisch die
unterschiedlichen Felsformen bestaunen. Diese Aussicht scheint auch schon
sehr lange als interessanter Platz bekannt zu sein, da gleich an mehreren
Stellen die Jahreszahl 1894 zu lesen ist.
Da ich schon einmal die Brandstufen im strömenden Regen mit meiner großen
Tochter heruntergelaufen bin, konnte ich mich sehr gut daran erinnern, wie
spiegelglatt die alten Bahnschwellen bei Feuchtigkeit werden können. Deshalb
habe ich die 850 Stufen im Expressgang absolviert und noch gleich zwei
Gruppen andere Wanderer überholt. Inzwischen konnte ich zwar den Regen schon
ganz deutlich hören, aber bis zum Waldboden kam er nicht. Seltsam, dass ein
Wald so ein gutes Dach sein kann. Blöderweise bin ich durch meine schnelle
Gangart zwar nicht von oben nass geworden, aber dafür habe ich das T-Shirt
ordentlich durchgeschwitzt. Netterweise hatte der Regen fast aufgehört, als
ich die Fahrstraße im Tiefen Grund erreicht hatte. Die Straße war
überraschenderweise durch die Schauer klitschnass.
Hier folgt die Wanderung der Wanderwegmarkierung roter Strich
und man muss ein paar hundert Meter (genauer 350 Meter) die Straße bergauf
wandern.
Man passiert eine deutlich sichtbare Sense, die in der rechten Felswand
eingemeißelt ist. Hierzu
sagt das Sagenbuch der Sächsischen Schweiz aus, dass an dieser Stelle zwei Waitzdorfer
Burschen im Jahre 1699 mit Sensen um ein gutaussehendes Mädchen gekämpft haben.
Das Besondere ist, dass die beiden Burschen normalerweise gute Freunde waren
und bei dem Kampf sogar das Mädchen als Zuschauer anwesend war. Überlebt hat
das Gemetzel nur einer, der gleich nach dem Kampf geflüchtet ist, aber noch
mal nach ein paar Jahren wiederkam und dann endgültig mit der Armee
verschwand.
Wenige Meter hinter der Sense biegt nach rechts der Aufstieg nach Waitzdorf
ab. Hier ist vor ein paar Jahren der gesamte Hang mit ziemlich viel Aufwand
gerodet worden. Dadurch hat man jetzt noch einen netten Blick runter auf die
Straße im Tiefen Grund und rüber auf die Felsen der anderen Talseite. Der
Aufstieg nach Waitzdorf ist nicht ganz so lang wie der Weg hoch zum Brand,
aber so einige hundert Stufen sind es trotzdem. Auf meiner Wanderung gab es
für mich noch eine sehr ungewöhnliche Abwechslung auf diesem Teilstück. Als
ich auf dieser Treppe um eine Ecke bog, standen vor mir zwei Frauen, wobei
die eine gerade ihr Oberteil wechselte und so nur im BH dort stand.
Irgendwie mussten wir alle schmunzeln und ich bin laut pfeifend
vorbeigegangen. Anscheinend hat es andere Wanderer mit dem Gewitterguss viel
stärker erwischt als mich.
Nach diesem letzten Anstieg erreicht man den unteren Rand von Waitzdorf und
auf der einzigen Dorfstraße geht es zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.
Wenige Meter vor dem Ende passiert man die Waitzdorfer Schänke (www.schaenke-waitzdorf.de),
in der man noch spitzenmäßig die paar verbrauchten Kalorien von der
Wanderung nachfüllen kann. Ich bin die Wanderung durch das Gewitter in einer
ungewöhnlich kurzen Zeit von etwas mehr als 2 Stunden gewandert. Für eine
wohltuende Wanderung sollte man sich viel mehr Zeit nehmen und vermutlich
ist auch ein Gewitter nicht das passende Wetter für eine angenehme Runde.
Trotzdem hat mir diese Wanderung super gut gefallen, weil einfach alle
Kriterien für eine schöne Wanderung in der Sächsischen Schweiz erfüllt waren. Es waren
gleich mehrere schöne Aussichten vorhanden, der größte Teil der Runde war
angenehm ruhig und einige abwechslungsreiche Felsformationen waren zu
entdecken. Das links vom Brand mit der versteckten Aussicht und der
Thümmelsgrotte so ein schöner Platz vorhanden ist, hat mich wirklich
verwundert und mal wieder darin bestärkt, dass es noch viel in der
Sächsischen Schweiz zu entdecken gibt.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Pirna. Von Pirna mit
dem Bus R-236 oder
Bus R-237.
Auto:
Bis Bad Schandau über die B172, hinter der großen Elbebrücke rechts abbiegen in die Richtung Rathmannsdorf. Die Straße weiterfahren in die Richtung Hohnstein. Ab dem Tiefen Grund ist Waitzdorf ausgeschildert. Der Parkplatz befindet sich links am Ortseingang von Waitzdorf.
Empfohlener Parkplatz:
Waitzdorf
GPS Daten:
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aufgezeichneter Track
geplante Route
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