Forstweg und asphaltiert
Wanderweg und Pfad
Treppen
Beschreibung:
Wir sind mal wieder mit unseren Wanderfreunden
aus Celle unterwegs gewesen. Theoretisch sollte die Wanderung zwar
eigentlich ganz woanders hinführen, aber praktisch hat leider ein brütender
Vogel einen Strich durch die Routenplanung gemacht und so wurde diese
überraschend tolle Wanderung draus. Der Startpunkt liegt in Hinterhermsdorf.
Eigentlich sollte der Startpunkt in der Ortsmitte von Hinterhermsdorf liegen
und dann über die Neudorfstraße hinausführen, aber praktischerweise gibt es
auch an der Neudorfstraße ein paar wenige kostenlose Parkplätze. Also geht
es auf der Neudorfstraße mit der Wanderwegmarkierung gelber Strich
in Richtung Kirnitzsch. Wenige Meter, nachdem man die letzten Häuser
passiert hat, blickt man nach links in ein liebliches Tal mit ein paar
verstreuten Häusern. Hier stelle ich mir immer wieder vor, wie man diese
Häuser im Winter wohl erreicht. Nach einem kurzen Stück über die Wiesen
erreicht man den Wald und es geht auf dem Lehmhübelweg weiter. Nach ein paar
hundert Metern passiert man den Pöhligstein, der an den Tod des
Waldarbeiters Wilhelm Pöhlig am 24.6.1889 durch einen "Schlagfluss"
erinnert. Schlagfluss ist die alte Bezeichnung für einen Schlaganfall.
Kurz hinter dem Gedenkstein beginnt der Abstieg ins Kirnitzschtal. Der Weg
heißt Taubensteingrund und zwischendurch sollte man unbedingt die Aussicht
Taubenstein besuchen. Von hier hat man einen schönen Blick ins Kirnitzschtal
und auf die Niedermühle. Der Weg runter ins Tal ist immer noch mit dem
gelben Strich gekennzeichnet. Wenn man am tiefsten Punkt angekommen ist,
dann steigt die Wegmarkierung ganz komisch nach links auf einem Pfad wieder
hoch. Das ist noch ein Resultat aus der Zeit der deutsch-tschechischen
Grenze. Bis heute ist anscheinend keiner auf die Idee gekommen, die
Markierung auf den Weg unten lang zu legen. Dieser Weg ist viel angenehmer
zu wandern, aber man überquert ein paar Meter tschechisches Gebiet. Genau in
diesem Zipfel vor der Niedermühle biegt aber ein Weg hoch in den Böhmischen
Wald ab. Dieser Aufstieg ist zwar nur 200 Meter lang, aber dafür werden 50
Höhenmeter überwunden und damit kann man sich schon mal ganz gut warmlaufen.
Am
Ende des Aufstiegs erreicht man ein sehr ungewöhnliches Gebilde. Dabei
handelt es sich um eine Wegsperre für Radfahrer, die aber so gewaltig massiv
ausgefallen ist, dass sie wohl auch für Trecker, LKWs und Panzer geeignet
wäre. Aber das Gefälle des Weges ist wirklich gewaltig, zumindest für
jegliche Form von Fahrzeugen, und so sollten keine Mountainbiker den Hang
hinunterschießen.
Oben angekommen, erreicht man einen breiten Waldweg, den man nach rechts
weiter wandert. Der Weg ist mit dem blauen Strich
gekennzeichnet und
schon nach wenigen Metern erreicht man eine Felsmurmel auf der rechten
Wegseite mit einer Gedenktafel. Darauf wird über die Jagd eines Hegers
namens Grohmann auf zwei Wölfe im Jahre 1640 berichtet. Die Inschrift ist
über Jahrzehnte unter einer Wurzel versteckt gewesen und durch einen
Blitzeinschlag wieder zu Tage gefördert worden. Netterweise hängt heutzutage
an der Seite des Felsens auch noch eine tschechische Übersetzung des Textes.
Ein paar hundert Meter (genauer gesagt 1,7 Kilometer) hinter der Wolfstafel
sollte eigentlich unsere Erkundung der Drachenstiege starten, aber hier
hingen gleich mehrere Schilder, die darauf hinwiesen, dass hier Brutgebiet
von geschützten Vögeln sei und man deshalb von März bis Juni hier nicht
weiter gehen darf. Dafür hatten wir als Familie Geier schon von Natur aus
viel Verständnis und außerdem konnten wir das Geschrei der Elternvögel schon
von Weitem hören.
Tja, damit war unsere ursprüngliche Planung hinfällig, aber wenn man schon
mal hier ist, dann könnte man doch durch den Paschersteig bis runter zur
Oberen Schleuse wandern. Der Einstieg in den Paschersteig befindet sich also
1,7 Kilometer hinter der Radfahrersperre und beginnt gegenüber der ersten
Felswand gleich neben dem Weg. Die Felswand steht 1 - 2
Meter
neben dem Waldweg und ist mindestens 10 Meter hoch. Auf der
gegenüberliegenden Wegseite (also nach rechts) biegt ein Pfad in eine Senke
ab, die man sehr angenehm absteigen kann. Insgesamt sind es 150 Meter
abwärts, bis es nur noch links oder rechts geht. Hier befinden sich
vollkommen überraschend die uralten Reste eines Hauses. Ob sich die
Schmuggelei damals so sehr gelohnt hat, dass man hier sogar ein Gebäude aus
Stein bauen konnte?
An dieser Stelle geht es nach rechts weiter abwärts. Das Tal ist relativ gut
zu begehen, nur an ein paar Stellen liegen gefällte Bäume im Wege und
manchmal ist es an der tiefsten Stelle etwas feucht. Ganz seltsam ist, dass
man durch diesen Grund super einfach bis runter zur Kirnitzsch wandern kann.
Unten angekommen, steht man an einer kleinen Einbuchtung mit einem
Sandstrand
und man befindet sich an einer der breitesten Stellen der Kirnitzsch. Die
Stelle sieht wirklich sehr interessant aus, auch wenn es das ernstzunehmende
Manko gibt, dass hier Endstation ist, und zwar nicht der Kahnfahrt, sondern
dummerweise des Weges, der hier eine Sackgasse bildet. Als wir an der Stelle
Rast machten, fuhr nach wenigen Minuten einer der Kähne mit Passagieren
vorbei. Die Fahrgäste staunten nicht schlecht, uns dort zu entdecken, aber
der Bootsführer würdigte uns keines Blickes. Selbst als er die Kirnitzsch
leer wieder hoch fuhr und uns in nur 5 – 10 Meter Entfernung passierte,
schaute er nicht einmal herüber. Schade, wir wären die 50 Meter bis zum
Anlegesteg gerne mit ihm mitgefahren und hätten den vollen Fahrpreis und für
den Spaß ein schönes Trinkgeld bezahlt, aber an solchen Geschäften schien
der Bootsführer nicht interessiert zu sein.
So sind wir nach einer Stärkung aus dem Rucksack wieder den Paschersteig
hoch gewandert. Schon auf dem Hinweg war uns eine Aufstiegsstelle aus dem
Grund aufgefallen. Irgendwie sah es so aus, als wenn dort häufiger andere
Leute noch hoch gegangen wären und so sind wir von unten kommend nach ¼
Kilometer nach rechts abgebogen. Auch dieser Aufstieg durch die Minischlucht
war sehr gut zu bewältigen und oben ging es zuerst noch über eine bewaldete
Ebene, um dann auf einen ordentlichen Waldweg zu stoßen. Dieser
Felsenausläufer heißt Langes Horn und endet wieder auf dem bekannten
Wanderweg mit der blauen Markierung
.
Nachdem man den blauen Weg wieder erreicht hat, geht es nach rechts weiter.
Zuerst folgt man dem breiten Waldweg noch, aber dann biegt der markierte Weg
nach rechts ab und es geht an einen Abstieg in der Form eines Pfades. Nach
einem ¾ Kilometer auf der blauen Wanderwegmarkierung erreicht man den Grund
des Červený potok (Rotes Floß). Hier geht es ziemlich genau einen Kilometer
nach rechts in Richtung Černá brána (Schwarzes Tor).
Der
Pfad durch den Grund ist super angenehm zu wandern und das Felsentor ist
unübersehbar. Sehr unterhaltsam ist, dass das Unwetter 2010 das Felsentor
richtig ordentlich freigespült hat. So lag kein Holz mehr im Bachlauf, der
Sand und die kleinen Felsmurmeln waren weiter runter ins Tal gespült worden.
Wir sind durch das 1 – 2 cm hohe Wasser gehopst und auf der anderen Seite
die paar Meter (ca. 100 Meter) zur Kirnitzsch weiter gewandert.
An der Mündung des Červený potok
(Rotes
Floß) in die Kirnitzsch kann man auf der rechten Seite deutlich die beiden
alten Brückenköpfe der ehemaligen Schönlinder Brücke erkennen.
Heutzutage
ist eigentlich an dieser Stelle Schluss und nur wer die Schuhe auszieht
kommt auf die andere Seite. Das macht eigentlich nur im Sommer so richtig
Spaß, aber praktisch ist die Kirnitzsch immer ein bibberkalter Bach.
Netterweise liegt im Flussbett ordentlich Sand, sodass wenigstens der
Untergrund sehr angenehm zu gehen ist.
Auf
der gegenüberliegenden Bachseite sollte man unbedingt ein paar Meter am
Bachlauf abwärts gehen. Hier befindet sich ein wunderbarer Blick in ein tief
eingeschnittenes Kirnitzschtal. Sehr interessant sind die Spuren in den
Felswänden. Hier kann man sehr gut erkennen, wie sich die Kirnitzsch immer
weiter in den Felsen schmirgelt. An der rechten Felswand ist noch eine
historische Grenzmarkierung mit der Inschrift DDR +26/11 zu erkennen.
Nach diesem sehr schönen Platz geht es an den Aufstieg. Der Weg ist von hier
unten durch einige in den Felsen geschlagene Stufen sehr einfach zu finden
und man erreicht an einer Einbuchtung den blau markierten Wanderpfad
.
Hier kann man dann auch sehr gut erkennen, dass der Zugang von oben in die
Minischlucht mutwillig mit gefällten Bäumen versperrte wurde. Damit fällt
der Weg von oben kommend nicht mehr auf, aber von unten kommt man an der
rechten Seite ohne größere Probleme an dieser Wegsperre vorbei.
Jetzt geht es erst einmal ein paar hundert Meter (ziemlich genau ½
Kilometer) sehr angenehm nach links,
bis
der Pfad, wieder nach links, über ein paar Stufen absteigt. Hier würde der
markierte Weg in die Wolfsschlucht absteigen, aber unser Weg geht nach
rechts am Felsfuß entlang. Der unmarkierte Pfad führt in einem Bogen um die
Wolfsschlucht und passiert eine Höhle. Bei der Höhle handelt es sich nicht
um ein Loch im Felsen, sondern eigentlich eher um zwei Felsen, die
nebeneinander stehen und man dazwischen durchgehen kann. Trotzdem ist es ein
10 Meter langer dunkler Schlauch. Der Fachausdruck für diesen Typ Höhle ist
Klufthöhle. Wer ein bisschen Platzangst hat, könnte die Höhle auch sehr
einfach links herum umgehen. Dann passiert man den Zugang zur Bärenhöhle.
Der Zugang befindet sich in einer schmalen Felsspalte, die steil ansteigt
und dazu auch noch mit reichlich Erde gefüllt ist. Früher waren hier
anscheinend Spreizhölzer eingelegt, aber die fehlen leider heutzutage und so
ist die Stelle nicht mehr passierbar. Die Wanderung führt weiter am Felsfuß
entlang. Nach
200 Metern ist ein deutlicher, breiter Aufstieg zu erkennen, der
Janslochsteig genannt wird. Dieser Aufstieg ist sehr einfach zu bewältigen
und oben geht es ohne erkennbaren Pfad von der Felswand weg. Spätestens,
nachdem man 150 Meter ohne Weg durch den Wald gestiefelt ist, stößt man aber
wieder auf einen Waldweg, auf dem man sich weiter von der Felswand entfernt.
Der Waldweg heißt Janslochweg und führt bis zum grün markierten Wanderweg
.
Diesem Weg folgt man nach rechts, um dann nach ¼ Kilometer auf der rechten
Wegseite einen Gedenkstein zu entdecken. Die Inschrift auf dem Stein ist:
Zum Gedenken an die Opfer der Blitzkatastrophe am 9.Juli 1951; Paul
Fritzsche; Emil Neumann; Aloisa Redlich geb. Cermak; Ilse Johne geb.
Schmidt.
Für die weitere Wanderung folgt man der grünen Wanderwegmarkierung. Je
länger man auf der dieser unterwegs ist, desto breiter wird der Weg. Zu
guter Letzt ist der breite Forstweg geschottert und gewalzt, um den
Pferdekutschen und Bootsführern den Weg hoch und runter zur Oberen Schleuse
zu ermöglichen. Genau von diesem gigantisch ausgebauten Forstweg geht aber
dann auch die Gefahr aus, dass man verführt wird, immer weiter darauf zu
wandern. Die grüne Wanderwegmarkierung biegt 300 Meter, nachdem die blaue
Wanderwegmarkierung den Forstweg überquert, nach rechts ziemlich unscheinbar
ab. Der weitere Weg ist zwar auch ein normaler Waldweg, aber im Verhältnis
zum breiten Forstweg ein unauffälliger. Der Weg endet auf dem vom Hinweg
bekannten Waldweg mit der gelben Wanderwegmarkierung
.
Wenn man dem Weg nach links folgt, passiert man erst den Pöhligstein und
erreicht dann Hintermhermsdorf und den Ausgangspunkt wieder.
Auch wenn eigentlich die Runde ganz anders geplant war, so ist doch eine
sehr empfehlenswerte und interessante Wanderung daraus geworden. Die
Wanderung hat uns zu einigen uns unbekannten Punkten der Sächsischen Schweiz
geführt und die Durchquerung der Kirnitzsch war auch ganz lustig.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Bad Schandau. Von Bad Schandau mit
dem Bus R-241.
Auto:
Über die B172 bis Bad Schandau. Bitte den Weg über Sebnitz wählen, da die Strecke durch Kirnitzschtal quer durch den Nationalpark führt. Von Bad Schandau weiter nach Sebnitz und dann über Saupsdorf nach Hinterhermsdorf. In Hinterhermsdorf folgt man der Ausschilderung Obere Schleuse bzw. SAB. Hinter dem Firmengelände kann man parken.
Empfohlener Parkplatz:
Hinterhermsdorf Neudorfstraße
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
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