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Diese Wanderung ist dadurch entstanden, dass ich mal
wieder mit dem Finger über die Wanderkarten von Dr. Böhm (www.boehmwanderkarten.de)
gefahren bin und auf der Karte Hinterhermsdorf den Eintrag "Peschkestein
1822" entdeckt habe. Dieser Punkt liegt blöderweise in einer Sackgasse im
hintersten Winkel der Sächsischen Schweiz und ist damit nur mit einer ganz
separaten Wanderung zu erreichen. Aber eine Jahreszahl 1822 ist schon was
Besonderes und so geht es gleich mal auf eine kleine
Erkundungstour.
Der Startpunkt liegt im Zentrum von Hinterhermsdorf. Von dem großen
Parkplatz geht es geradeaus, gleich rechts neben dem Haus des Gastes, auf
der Weifbergstraße. Markiert ist der Weg bis zum Weifberg mit dem
blauen Strich
.
Die Weifbergstraße ist eine sehr angenehme Dorfstraße, die zuerst noch an
ein paar Häusern
vorbeiführt
und am Dorfrand noch einen ganz besonders interessanten Zwischenstopp
bietet. Hier hat ein Anwohner seinen privaten Parkplatz mit einer Vielzahl
unterschiedlichster Grenzsteine geschmückt. Es ist schon ziemlich
verwunderlich, wie viele Sorten es gibt und wie sich diese über die Jahrzehnte
deutlich geändert haben. Der Weg über die Weifbergstraße steigt leicht an
und ab dem Ortsrand sieht man das erste Ziel der Wanderung vor sich: den
Weifberg mit dem Aussichtsturm. Ab dem Dorfrand ändert sich der Name des
Feldweges in Alte Nixdorfer Straße. Die Wanderung passiert einen
eingegrabenen Wasserbehälter und auf der linken Wegseite kann man oberhalb
von Saupsdorf den Wachberg mit der Wachbergbaude entdecken. Am Waldrand vor
dem
Weifberg geht es nach rechts bis zu einer kleinen Schutzhütte mit einem
Rastplatz. Hier kann man schon mal die schöne Aussicht genießen und danach
auf der Wanderwegmarkierung gelber Punkt
bis hoch zum Gipfel aufsteigen. Die Aussicht vom Gipfel des Weifberges ist
wirklich nicht besonders toll, solange man nicht auf den Aussichtsturm
gestiegen ist. Deshalb geht es gleich weiter über die ca. 170 Stufen bis
nach oben. Von hier oben hat man eine wirklich gigantische Aussicht auf die Felsen
der Hinteren
Sächsischen
Schweiz und das Böhmische Land. Der Aussichtsturm ist überraschenderweise
sehr häufig nur von wenigen Besuchern bevölkert und so hat man die Chance,
die Landschaft in Ruhe zu genießen.
Ein
bisschen lustiger ist es, wenn ein leichter Wind weht. Dann fängt der Turm
an zu schaukeln, aber man braucht sich keine Gedanken zu machen, weil er
schon viel wilderen Stürmen getrotzt hat. Dadurch, dass der Aussichtturm
eine Holzkonstruktion ist, kann er sich im Wind elastisch bewegen und hat trotzdem durch seine Bauweise eine ausreichende Stabilität. Außerdem
lassen sich die Sinnesorgane des Menschen schon von wenigen Zentimetern
Bewegung beeindrucken.
Von dem Turm geht es wieder herunter (eigentlich klar, dass es hier oben
nicht weiter geht) und an der westlichen Seite des Weifbergs über die
Wanderwegmarkierung roter Strich
abwärts. Der breite Waldweg bis zur nächsten Kreuzung ist ein sehr
angenehmer Abstieg und dann geht es auf der schon bekannten Alten Nixdorfer
Straße nach rechts. Der Weg ist hier immer noch mit dem roten Strich
markiert. Schon nach wenigen Metern erreicht die Wanderung eine sehr schöne
Allee, die über eine Wiese führt. Auf der gegenüberliegenden Seite wird der
markierte Wanderweg verlassen und man folgt nach rechts der Ausschilderung
Schäferräumicht. Auch dieser Weg ist relativ breit, wird aber von anderen
Wanderern nur selten benutzt. Eigentlich ist es mehr die hintere Zufahrt zum
Schäferräumicht und dem darüber liegenden Stall. Nach ein paar hundert
Metern
befindet sich auf der linken
Wegseite die Quelle Heidelbach und eine freistehende Fichte. Der Baum sieht
ziemlich ungewöhnlich aus, da er einen mächtigen Stamm hat und auch ziemlich
breit ist. Aber auf ein paar Metern Höhe hört der Baum abrupt auf. Solche
Baumformen sind eigentlich immer nur in bewohnten Gebieten anzutreffen, wenn
mal wieder jemand Angst um seine Gebäude oder die schöne Aussicht hatte. In
diesem Fall ist es wohl entweder das Ergebnis eines Blitzschlags oder ein
Sturmschaden, was aber in der Höhe sehr ungewöhnlich wäre.
Der Wanderweg
führt bald an der Seite vom Schäferräumicht vorbei. Das
Schäferräumicht liegt am Zugang zum wunderbaren Weißbachtal,
aber
hier wandern nur sehr wenige Leute entlang und so ist die
Gaststätte nur am Wochenende in den typischen Wanderzeiten (10:00 bis 17:00)
geöffnet. Auf der Vorderseite der Gaststätte trifft man auf die
Wanderwegmarkierung gelber Strich
,
der man ein Ministück von 100 Metern nach links folgt. Obwohl dieser Weg zu
meinem Lieblingstal hinunter führt und ich damit schon wirklich häufig hier
entlang gewandert bin, habe ich tatsächlich noch nie gesehen, dass kurz
hinter dem Waldrand, noch vor dem Regelwerk des Nationalparks, ein Weg nach
rechts abbiegt. Für diese Erkundungswanderung geht es genau auf diesem Weg
weiter. Der Waldweg fällt ziemlich angenehm ab und dass man hier andere
Wanderer trifft, dürfte eine ganz besonders große Seltenheit sein. In dieser
hinteren Ecke der Sächsischen Schweiz sind nur selten andere Wanderer
unterwegs und selbst oben auf dem Folgenweg mit den zwei
Wanderwegmarkierungen geht nur manchmal jemand entlang. Auf dem jetzt
begangenen Seitenweg mit dem Namen Pferdegärtchenweg sind ganz sicher mehr
Eichhörnchen oder Rehe unterwegs als Menschen. Auf der rechten Wegseite
schlängelt sich ein Bächlein runter ins Tal und bildet ein paar Pfützen und
einen Teich.
Nach etwas mehr als einem Kilometer endet dieser sehr schöne Wanderweg auf
dem Heidelbachweg.
Auf
diesem breiten Forstweg geht es nach rechts weiter abwärts. Der Weg ist
mit dem bekannten roten Strich
ausgeschildert und wird fast einen ¾ Kilometer begangen, bis nach rechts
der Zugang zur Oberen Mühle (www.obere-muehle-hinterhermsdorf.de)
abgeht. Auf dem Gebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz gibt es
nur ganz wenige Pensionen und zu denen zählt die Obere Mühle. Aber eigentlich
ist es überhaupt kein Wunder, weil die Mühle schon mindestens seit 1586 hier
mit unterschiedlichsten Funktionen steht und dadurch Bestandsschutz genießt. Auch die Obere Mühle ist genauso
wie das Schäferräumicht in der Wandersaison am Wochenende geöffnet und hier
kann man nett für einen kleinen Zwischenstopp im Biergarten einkehren.
Die Wanderung führt über die Wiese der Oberen Mühle, um dann auf der
gegenüberliegenden Hangseite auf einen Waldweg zu treffen. Dieser Weg beginnt an
der oberen Grundstücksgrenze und steigt schräg den Hang hoch. Er ist
angenehm zu wandern, aber auch dieser Waldweg macht den Eindruck, als ob er
nur ganz selten begangen wird. Nach einem relativ angenehmen Aufstieg endet
der Waldweg auf dem Kalkbuschweg. Die Obere Mühle hieß in ihrer langen
Geschichte auch schon mal Mühle am Kalkbruch und Kalkofenmühle. Das liegt einfach
daran, dass hier die Grenze zwischen Sandstein und Lausitzer Granit
verläuft und sich an dieser Grenze Kalk abgelagert hat und dann von den Menschen
abgebaut wurde. Vielleicht erklärt genau das auch die tiefe Furche des
Kalkbuschwegs. Der Weg steigt insgesamt ¼ Kilometer an, um dann nach
rechts verlassen zu werden. Der nun erreichte Waldweg ist eigentlich eine Sackgasse und
deshalb wächst auch eine nette Grasschicht auf ihm. Nach etwas mehr als 100
Metern biegt er nach links ab und verläuft knapp oberhalb eines Grundes
entlang. Auf der gegenüberliegenden Talseite kann man schon einen weiteren
Weg erkennen, der eigentlich das nächste Ziel sein soll. Je länger
man auf dem linken (südlichen) Weg wandert, desto weiter kommt man in
den Grund hinunter und der Seitenwechsel wird einfacher. Als ich die
Erkundungstour im Frühjahr 2012 unternommen habe,
war
der Waldweg nach 100 Metern durch eine ausgerissene Wurzel blockiert und so
bin ich über einen Wildwechsel die paar wenigen Höhenmeter abgestiegen. Der
Weg auf der gegenüberliegenden Seite war irgendwie kurz vorher
neu
ausgebaut worden und so ging es auf einem ordentlich matschigen Weg weiter
nach links. Wiederum 100 Meter weiter erreicht man das Ziel dieser
Wanderung. Der Peschkestein steht ungefähr 30 Meter neben dem Waldweg und
irgendwie macht er den Eindruck, als wenn er mit dem Ausbau des Weges
dorthin umgesetzt worden wäre. Für einen Gedenkstein aus dem Jahre 1822 ist
er sehr gut erhalten, aber leider habe ich es trotzdem nicht geschafft, die
Inschrift vor Ort zu entziffern.
Nachdem auch diese kleine Besonderheit der Sächsischen Schweiz entdeckt
wurde, geht es auf den Heimweg. Seltsamerweise ist auch der breite Waldweg
auf dieser Grundseite eine Sackgasse und deshalb muss man auf der nördlichen
Seite des Grundes zurück wandern. Nach 300 Metern biegt nach
links ein gut sichtbarer Waldweg ab. Dieser sogenannte Schulbuschweg steigt
erst durch den Wald und dann über eine der typischen Wiesen südlich von
Hinterhermsdorf an. Nach ungefähr ½ Kilometer auf dem Weg passiert man
einen Bauernhof, der sich hier vollkommen abseits der Ortschaft befindet.
Ich finde es immer wieder faszinierend, wie im südlichen Teil von
Hinterhermsdorf Häuser, Mühlen und Bauernhöfe vereinzelt
herumstehen. Hier beschwert sich ganz sicher keiner, wenn man mal etwas
lauter Musik hört oder die Kinder spät am Abend noch Basketball spielen. Dafür wird
das Autofahren im Winter eine gehörige Portion schwieriger.
Oberhalb des Bauernhofes steht gleich am Waldrand eine Bank mit einer
netten Aussicht über die Wiesen.
Hier
kann man noch mal eine kleine Rast einlegen, um dann das letzte Stück der
Wanderung zu unternehmen. Dazu geht es noch ¼ Kilometer weiter, bis
nach links die Wanderwegmarkierung gelber Punkt
abbiegt. Dieser Weg passiert bald das seltsame Ufo auf dem Pfarrberg bzw.
der Emmabank. Hier hat man eine fantastische Aussicht rüber zur Hinteren
Sächsischen Schweiz und einen netten Rundumblick. Genau aus dem Grund ist
auch das Funkfeuer der Luftstraße A4 (Berlin-Schönefeld - Prag) auf dem
Hügel angebracht.
Die Wanderung geht weiter in Richtung Hinterhermsdorf, auch wenn nach
ungefähr 200 Metern der gelbe Punkt nach links abbiegt.
Hier
geht es nach rechts weiter, um dann bald dem gelben Strich
nach links bis zum Ausgangspunkt zu folgen. Gleich neben dem Pfarrhaus steht
ein Wohnhaus mit der auffälligen Jahreszahl 1804. Es ist wirklich
beeindruckend, dass ein Wohnhaus schon zwei Jahrhunderte besteht und noch so
hervorragend aussieht. Vermutlich liegt es daran, dass wir in
Deutschland einfach in einer Region wohnen, die kaum von Naturkatastrophen (z.B.
Hurrikans oder Erdbeben) oder besonders gemeinen Tiere (z.B. Termiten)
heimgesucht wird und
dann auch noch die Häuser handwerklich ordentlich gebaut werden. Damit ist
diese überraschend angenehme Wanderung zu Ende gegangen. Wer eine Wanderung
sucht, auf der ein ganz besonders verstecktes Denkmal zu finden ist und
außerdem selbst bei Hochbetrieb in der Sächsischen Schweiz noch herrliche
Ruhe herrscht, der ist mit dieser Runde genau richtig unterwegs.
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