Es war mal wieder an der Zeit, eine etwas
größere Runde zu unternehmen und da fiel mir auf Anhieb eine weiträumige
Umrundung von Hinterhermsdorf ein. Als Tag hatte ich mir einen schönen
sonnigen Sonntag in den Herbstferien ausgesucht. Mal schauen, wie viele
Besucher an einem solchen typischen Wandertag in einem der hintersten Zipfel
von Deutschland anzutreffen sind. Der Startpunkt liegt an dem Parkplatz
Räumicht und von hier geht es zuerst mal über die einzige offizielle
Zufahrtsstraße von Hinterhermsdorf und dann gleich gegenüber ins Räumichttal.
Wenn man von der Zufahrtsstraße nach links hinunter sieht, dann entdeckt man
den Mühlteich und daneben das alte Mühlengebäude. Es ist schon ziemlich
überraschend, wenn man hört, dass an der Stelle schon seit 1547 eine
Sägemühle steht. Die alte Mühle ist zwar zwischendurch mindestens einmal
abgebrannt, aber das jetzt sichtbare Gebäude ist auch schon immerhin mehr
als 160 Jahre alt.
Nach 200 Metern gabelt sich das Sträßchen und es ist eigentlich egal,
welchen Weg man wählt. Wenn man links geht, dann kann man vielleicht den
Duft von frisch gebackenem Brot beim Bauernstübel (www.bauernstuebel-roellig.de)
genießen. Das Brot wird in einem großen Holzbackofen hinterm Haus gebacken
und schmeckt super lecker. Nach 300 Metern stoßen die beiden Wege wieder
aufeinander und es geht weiter durch das Tal aufwärts. Spätestens ab dieser
Kreuzung folgt die Wanderung der Wanderwegmarkierung gelber Punkt
.
Als
nächstes kommt man am Sonnenhof (www.sonnenhof-hinterhermsdorf.de)
mit einer schönen Terrasse und den
Galloway Rindern
hinterm Haus vorbei. Die Wanderung führt weiterhin aufwärts und passiert ein
ganz besonders schönes Ferienhaus auf der linken Wegseite und dann wird bald
die Gnauckmühle erreicht. Diese Mühle ist die jüngste Mühle des Tals, aber
trotzdem ist sie vor über 130 Jahren gebaut worden. Leider hat das Wasser
aus dem Bächlein hier oben nicht für einen wirtschaftlichen Betrieb gereicht
und so ist die Mühle schon relativ schnell zu einem Ferienheim umgebaut
worden. Eine Tafel an der Hauswand erinnert an einen dunklen Teil der
deutschen Geschichte.
An der Gnauckmühle geht es nach rechts weiter. Eigentlich handelt es sich
bei dieser Straße um die kürzeste Verbindung zwischen Saupsdorf und
Hinterhermsdorf, aber offiziell ist die Straße gesperrt und so kann man sie
ganz gut als Wanderweg benutzen. Nach 150 Metern macht die Straße eine
spitze Kurve, aber der markierte Wanderweg geht geradeaus weiter.
Markierungen sind zwischendurch zwar nicht so richtig zu finden, aber
es
geht einfach immer weiter in der Senke bergauf. Gleich drei kleinere Teiche
werden mit dem Aufstieg passiert und im obersten Teil erreicht man die
Luisenquelle. Ziemlich ungewöhnlich für die Sächsische Schweiz sind die
etwas anders gearteten Wanderweghinweisschilder in diesem Bereich. Diese
kleineren Wanderwegmarkierungen stammen von der Kräuterbaude (www.kraeuterbaude-am-wald.de)
und sollen die Hausgäste auf besonders schönen Wegen führen.
Der
markierte Wanderweg erreicht bald den unteren Rand des Weifberges. Auf den
Berg bzw. den Turm sollte man unbedingt hinaufsteigen. Man könnte zwar auch
an der südlichen Seite drum herum wandern, aber der Turm und die
Panoramaaussicht ist schon wirklich etwas ganz besonderes.
Einer
von den besonders erwähnenswerten Punkten bei dem Turm ist, dass der
Aufstieg schon seit einigen Jahren kostenlos ermöglicht wird. Die einzigen
beiden Gründe, den Turm nicht zu besteigen, sind Nebel und Sturm. Der Turm
ist aus Holz gebaut und so fängt er ganz schön an zu schaukeln, wenn es
ordentlich stürmt.
Als
ich auf den Turm hoch gestiegen bin, herrschte wunderbares Wetter und
komischerweise war nur noch ein anderer Wanderer hier oben. Als ich dann
aber auf die Zufahrtsstraße von Hinterhermsdorf zum Weifberg sah, konnte ich
einige andere Wanderer (mindestens 15) auf den Berg zuwandern sehen. Hatte
ich einfach nur Glück, oder lag es an dem relativ frühen Start (10:00
gestartet und um 10:45 am Weifberg) der Wanderung?

Die Wanderung verlässt den Weifberg auf der gegenüberliegenden Seite mit
der Wanderwegmarkierung roter Strich
.
Der Abstieg vom Weifberg ist ziemlich einfach und nach wenigen hundert
Metern erreicht man den gut ausgebauten Feldweg in Richtung Schäferräumicht.
Die Gaststätte Zum Schäferräumicht ist die letzte Einkehrmöglichkeit für
eine sehr lange Zeit bei dieser Wanderung und kommt mir immer so vor wie die
Schilder an Tankstellen vor der Autobahn: Letzte Gaststätte vor dem Tal.
Jetzt geht es in die Richtung des Weißbachtales weiter. Vom Schäferräumicht
führt zuerst ein schnurgerader Weg leicht abfallend durch den Wald. Hier
verläuft die ganze Zeit schon die Wanderwegmarkierung gelber Strich
parallel des Weges und mit ihr biegt die Wanderung dann auch nach links ab.
Der jetzt folgende Weg (mit dem komischen Namen Bammelweg) steigt
überraschenderweise noch mal ein richtiges Stück an. Im Herbst 2010 haben
einige Forstfahrzeuge und die ausgiebigen Regenfälle den Weg in ein äußerst
unangenehmes Matschloch verwandelt, aber mit dem Überqueren des nächsten
großen Forstweges (Kalkstraße) wird es wieder viel besser. Die Kalkstraße
ist sowieso etwas ganz komisches. Bis zu dieser Straße kann man immer mal
wieder andere Wanderer treffen, sobald man die Kalkstraße aber in die
Richtung des Weißbachtals überquert hat, herrscht vollkommene Ruhe und
andere Wanderer sind eine echte Seltenheit. An der Kreuzung ist der weitere
Verlauf der gelben Wanderwegmarkierung nicht so ohne weiteres zu erkennen,
da mehrere andere Wege verführerischer wirken.
Der gelbe Wanderweg geht links vorne weiter in einen relativ dunklen Wald.
Schon nach 300 Metern und 30 Höhenmetern ist der Weißbach erreicht. Diesem
Minibach geht es jetzt auf einem Wanderpfad bachabwärts hinterher. Das
Weißbachtal ist ein relativ enges Tal, das in großen Teilen mit Fichten
bewachsen ist. Dadurch wirkt das Tal immer besonders dunkel bzw. die Bäume
sind besonders dicht. Nach ungefähr 2 ½ Kilometern erreicht man die zwei
Häuser mit dem komischen Namen „Im Loch“.
Hier
hat früher mal, genauso wie einen ¾ Kilometer weiter, eine Mühle gestanden.
Von der Mühle Im Loch kann man überhaupt keine Spuren mehr finden. Die
Böhmische Mühle ist auch vollkommen verschwunden, aber wenigstens sind noch
Teile der Stauanlagen an der Kirnitzsch zu erkennen.
Knapp hinter der Böhmischen Mühle erreicht man die Niedermühle, die zwar
heutzutage auch nicht mehr als Brettschneidemühle benutzt wird, aber
immerhin von einem sehr fleißigen Besitzer erhalten wird.
An
der Niedermühle bieten sich zwei unterschiedliche Streckenverläufe an. Zu
den Zeiten, als es noch eine ernstzunehmende Grenze (die Kirnitzsch war der
Grenzfluß) zwischen Deutschland und Tschechien gab, führte der offizielle
Wanderweg rechts hinter den Gebäuden ein paar Meter den Hang hinauf und dann
nach einem kleinen Schlenker wieder herunter. Heutzutage kann man wieder
über den viel älteren Weg einfach geradeaus und damit zweimal über die
Grenze wandern.
Nach ¼ Kilometer treffen die beiden Wanderwege wieder aufeinander und es
geht weiter in Richtung der Oberen Schleuse. Erst wenige Meter vor der
oberen Bootsstation nehmen die Besuchermengen wieder deutlich zu. Auf der
Strecke zwischen der Niedermühle und der Oberen Schleuse wechselt die
Wanderwegmarkierung auf den roten Strich
,
aber eigentlich braucht man keine Wanderwegmarkierung, weil man einfach nur
dem Bach weiter folgt. Die Obere Schleuse mit der Bootsfahrt ist schon eine
besondere Attraktion und man sollte sie sich nicht entgehen lassen. Man
könnte die Strecke zwar auch auf einem Wanderweg rechts oben bewältigen,
aber eine kleine Entlastung der Beine ist bei solch einer Wanderungslänge
ganz angenehm.
Hinter der unteren Bootsstation bzw. der Schleuse geht es weiter der
Kirnitzsch hinterher. Zwischendurch wechselt mal wieder die
Wanderwegmarkierung, jetzt auf den blauen Strich
.
Nach ungefähr einem Kilometer erreicht man eine ganz besondere
Streckenführung.
Hier
biegt der markierte Wanderweg auf einmal nach links ab und steigt ein paar
Stufen abwärts in die Richtung der Kirnitzsch. Dann kommt die Bärenhöhle,
die netterweise mit ganz vielen Brettern ausgelegt ist. Trotzdem ist die
Gangart mit zunehmender Körpergröße hier für die meisten Mitmenschen
ordentlich belustigend und so mancher hat sich den Kopf an der Höhlendecke
gestoßen. Auf der anderen Seite der Höhle geht es noch ein paar Steinstufen
mit extrem kurzen Stufen abwärts, bis man am Ufer angekommen ist. Das
nächste Teilstück erfolgt schon so ziemlich auf Bachhöhe und nach einem
weiteren Kilometer weitet sich auf einmal das Tal und man kann an sehr
vielen Tagen im Jahr merken, dass es schlagartig wärmer wird.
Dadurch,
dass das Tal sich weitet, hat die Kirnitzsch die Möglichkeit, den Bachlauf
immer wieder umzugestalten. Wenn man häufiger durch das Tal wandert, kann
man deutlich erkennen, wie immer mal wieder Teile weggespült werden und auf
einmal ein Schlenker ganz woanders langläuft. Auch wenn ich bis heute noch
keinen gesehen habe, aber hier kann man sich sehr gut vorstellen, dass sich
hier einer der Fischotter (insgesamt sollen es in der Kirnitzsch 5 Stück
sein) aufhält. Nach ungefähr 1 ½ Kilometern stößt zu dem markierten Weg von
links ein weiterer Weg aus dem Böhmischen dazu und die weitere Wanderung
erflogt auf einem gut ausgebauten Forstweg.
Vielleicht ist das jetzt kommende Teilstück ein bisschen langweilig, aber
ich finde es immer wieder schön, an der Kirnitzsch entlang zu wandern. Wenn
man so einigermaßen aufmerksam und nicht ganz so laut unterwegs ist, dann
kann man auch die seltene Wasseramsel oder einen Fuchs beim Balancieren
beobachten.
Warum
auch immer, aber genau diese Beobachtungen kann man ganz hervorragend an der
Niederen Schleuse (nach 3 Kilometern auf dem gut ausgebauten Weg) machen.
Nach dem Hochwasser 2010 ist die Niedere Schleuse wieder überraschend gut
aufgeräumt und wenn man denn die vielen Ablagerungen wieder entfernen würde,
dann könnte dieses Bauwerk auch wieder eine kleine Rolle beim
Hochwasserschutz spielen. Hinter der Niederen Schleuse führt die Wanderung
weiter an der Kirnitzsch entlang. Auch wenn zwischendurch die
Wanderwegmarkierung blauer Strich abbiegt, so geht es weiter am Bach
entlang, bis 2 Kilometer hinter der Niederen Schleuse der Dreisteigenstieg
mit der grünen Wanderwegmarkierung
kreuzt. Hier geht es nach rechts hoch zu den beiden Pohlshörnern. Da bis
hinauf zum Großen Pohlshorn immerhin 160 Höhenmeter bewältigt werden müssen,
ist der Anstieg so richtig anstrengend.
Um
zur Aussicht vom Großen Pohlshorn zu gelangen, muss man ein kleines Stück
von 150 Metern nach links vom eigentlichen Weg abbiegen, aber dafür wird man
mit einer sehr schönen Aussicht in die Hintere Sächsische Schweiz belohnt.
Der Weg über das Große Pohlshorn ist ziemlich abwechslungsreich und durch
eine paar Naturtreppen ganz gut zu bewältigen.
Die Wanderung für weiterhin auf der grünen Wanderwegmarkierung und schon
nach ein paar hundert Metern erreicht man das unscheinbarere Kleine
Pohlshorn. Eigentlich ist das Kleine Pohlshorn ein wirklich langweiliger
Felsen, wenn man vorher schon auf dem Großen Pohlshorn gewesen ist. Da der
Felsen aber mit nur ganz wenig Anstrengung (ca. 150 Meter und 30 Höhenmeter)
bezwungen werden kann, sollte man ihn nicht auslassen. Ganz besonders, weil
man auf diesem Felsen im Gegensatz zu vielen anderen doch sehr häufig eine
angenehme Ruhe vorfindet. Von dem Kleinen Pohlshorn geht es wieder herunter
und auf der grünen Wanderwegmarkierung in Richtung Hinterhermsdorf. Nach 200
Metern erreicht man eine größere Kreuzung und es geht einen Kilometer weiter
auf dem breiten Forstweg (Hirschewaldweg). Dann biegt nach links ein Weg ab,
der mit dem Ausgangspunkt (Saupsdorfer Räumicht) ausgeschildert ist. Nach
etwa 300 Metern ist der Parkplatz erreicht und damit ist eine wirklich tolle
Runde beendet. Ich hatte schon so ungefähr eine Vorahnung, dass es eine sehr
nette Wanderung wird, aber dass es eine der schönsten Runden der Sächsischen
Schweiz werden würde, war mir vor der Wanderung nicht bewusst.
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