Vom Nationalpark Sächsische Schweiz werden
einige geführte Wanderungen angeboten und so habe ich im Juni 2006 auf der
Internetseite des Nationalparks folgende Beschreibung gefunden:
Waldkundliche
Führung in der Waldhusche
Ziele und Methoden von
Waldpflegeeingriffen am Beispiel der diesjährigen Durchforstungen in dem
waldgeschichtlichen Freigelände Waldhusche in Hinterhermsdorf.
Termin: SA
10.06.2006
10.30 Uhr
Anmeldung: keine
Treffpunkt: Eingang Waldhusche, Buchenparkhalle
Hinterhermsdorf
Zeitdauer: ca. 2 Stunden
Konzept und Durchführung: Matthias Böttger (Sachgebietsleiter
Nationalparkwacht)
Auch bei dieser Führung war es wie schon
wie bei den beiden anderen Führungen (Bastei
mit Nationalpark Ranger und
Waldhuschenführung), dass die Teilnehmerzahl sehr überschaubar war.
Außer uns war nur noch eine Familie mit zwei Mädchen dabei. Zum Glück
hat der Nationalpark Ranger noch ein paar Minuten gewartet, sonst hätten
wir eine Einzelführung gehabt. Diesmal hatten wir das Glück, das Herrn
Matthias Böttger die Führung durchführte. Er ist der
Nationalparkwachtleiter und überzeugte mit einem gigantischen
Hintergrundwissen. Startpunkt der Wanderung war der Eingang in die
Waldhusche am Parkplatz der Buchenparkhalle. Von dort ging es erstmal
geradeaus in die Richtung des Eingangs Beize. Herr Böttger erklärt den
Sinn der Durchforstungsmaßnahmen, dass man versuche wieder die
ursprünglichen Baumsorten wie z.B. die Tanne im Nationalpark zu stärken
und durch eine Gruppenbildung die Baumsorten in ihrem Artenschutz zu
unterstützen. Durchforstung dient dazu, konkurrenzschwächere
Baumarten in bestimmten Anteilen erhalten zu können (sie würden sonst
mehr oder weniger von konkurrenzstärkeren (Buche) verdrängt werden).
Darüber hinaus soll noch die genetische Information aller
standortheimischen Bäume erhalten werden. Zum meiner großen Überraschung ist die ganz normale Tanne
in den deutschen Wäldern eine Baum, der nur noch sehr selten vorkommt.
So stehen in ganz Sachsen nur noch 2000 Alttannen und davon in der Sächsischen
Schweiz 600 Stück.
Kurz vor dem Ein- bzw. Ausgang Beize sind wir nach
links auf die Aussicht oberhalb des alten Försterhauses gegangen. Herr
Böttger erklärte dort, welche Baumsorten zu den Ursprungssorten der
Region gehörten. Leider habe ich mir nur gemerkt, dass es die Eichen,
Weißtannen und Buchen sind. Durch einen netten nachträglichen Hinweis
von H. Böttger (per Mail) weiß ich inzwischen wieder etwas mehr zu den
Baumarten, die ursprünglich in der Sächsischen Schweiz heimisch waren:
-
auf trockenen nährstoffarmen Standorten: Kiefer, Birke,
Eiche (z. T. Buche)
-
auf mittleren Standorten (meist mit Lößlehmaufwehung):
Buche, Weißtanne, Zitterpappel, Linde, Eberesche, Weißbuche, (+
Baumarten von 1)
-
auf guten Standorten (Bachauen, Basaltdurchbrüche,
Granit der Lausitzer Überschiebung): Ahorn, Ulme, Esche, Erle, (+
Baumarten von 2)
-
nur in den feuchtkühlen Schluchten: Fichte (neben
Baumarten von 2 und 3)
Heutzutage befinden
sich aber in den Wäldern der Sächsischen Schweiz einige Bäume wie z.B. Lärchen, Fichten,
Roteiche, Weymoutskiefer, Lärche, Douglasie usw. die nicht standortheimisch
sind und dadurch verdrängen sie durch ihre Konkurrenzkraft standortheimische
Baumarten. Bei
einigen dieser Bäume versucht man die Sorten wieder zu reduzieren und
zurückzudrängen.
Von der Aussicht ging es über ein paar Stufen runter auf den Wanderweg
mit der roten Markierung
.
Gleich am Ende der Stufen steht eine Douglasie, an der die Teilnehmer der
Führung abschätzen sollten, wie hoch sie ist. Da am Stamm in gleichem
Abstand breite Ringe angebracht waren, konnte man sich die Höhe ungefähr
ausrechnen. Aber die ganze Gruppe war schon ziemlich von den 38 Metern
überrascht.
Der Weg führte weiter runter ins Tal. Es ging vorbei am
alten Försterhaus, das in naher Zukunft als weitere Informationsstelle
ausgebaut werden soll. Am Feuchtbiotop wurde ein kleiner Zwischenstopp
eingelegt, um das Leben in dem kleinen Teich zu bestaunen. Es waren
Libellen, Kaulquappen und Molche zu sehen. Von diesem Punkt ging es am
Namensgeber des Gebietes, der Waldhusche, den Hang hoch. Die Waldhusche
wurde nicht in Aktion gezeigt, da nachmittags noch die
Waldhuschenführung stattfand
und dann diese riesige Holzrutsche zum Einsatz kam. Am oberen Ende der
Waldhusche verließ die ganze Gruppe die normalen Waldwege und es ging
nach rechts quer durch den Wald. Zum Glück hatten wir den Nationalpark
Ranger dabei und so brauchten wir uns weniger Gedanken machen, ob der
Weg richtig ist. Der Weg durch den Wald verlief über einen schmalen
Pfad, auf dem gefällte Bäume mit Hilfe einer Seilbahn sehr schonend
durch den Wald transportiert worden sind. Leider war diese Seilbahn
schon wieder demontiert worden. Diese Konstruktion hätte ich doch sehr
gerne gesehen. Auf jeden Fall waren die Spuren auf dem Waldboden nur
sehr unwesentlich und im Verhältnis zu einem normalen Forstfahrzeug
überhaupt nicht zu erkennen.
Nach dem Abstieg den Hang hinter, haben wir dann einen Pfad mit dem Namen
Mühlleite erreicht. Diesem Pfad sind wir ein kleines Stück (ca. 80
Meter) nach links gefolgt und dann noch ein weiteres Stückchen den Hang
hinunter gestiegen. Nach ein paar Metern hat uns Herr Böttger anhand
einer einzelnen Tanne erklärt, dass hier Waldpflegearbeiten zum Schutze
dieser einen Tanne durchgeführt wurden. Diese Tanne stand eingeklemmt
durch ein paar Fichten im Wald. Damit die Tanne wieder genug Platz zum
Wachsen hatte, sind die Fichten drum herum gefällt worden. Die größte
Überraschung war, dass die Tanne genauso alt war, wie die jetzt weiterer
entfernten Fichten. Der einzige Unterschied ist, dass die Fichten einen
Stammdurchmesser von geschätzten 30 - 40 cm und die Tanne mit mickrigen
10 - 15 cm haben. Beide Baumsorten sollen ein ungefähres Alter von 60 Jahren
haben. Es ging wieder die paar Meter bis auf den Pfad zurück und dann
weiter nach rechts.
Dem Pfad sind wir 250 Meter gefolgt, um dann nach
rechts zu einem Aussichtpunkt oberhalb der Dorfbachwand abzubiegen. Von
der Aussicht hat man einen sehr guten Überblick in den Talkessel und hier hat H. Böttger erklärt, wie
man früher die Wälder in einem
Rollsystem immer wieder gepflanzt, herangezogen und gerodet hat. Auf dem
südlichen Hang des Pohlshorns kann man noch sehr deutlichen einen dieser
vierstufigen Wälder von der Aussicht aus sehen.
Von der Aussicht ging es dann weiterhin auf dem Pfad entlang und damit
wurde der Aschhübel einmal umrundet. Der Weg erreichte den
"Kreisverkehr", an dem die alten Holzmaßeinheiten dargestellt werden und
die nachgebaute Brettholzsäge ausgestellt ist. Der weitere Weg führte
rechts neben der Säge auf dem Forstweg bis zur Spinne mit ihrem riesigen
Spinnennetz. Hier durften die Kinder eine kleine Spielpause einlegen und
H. Böttger berichtete, dass die Konstruktion des Spielgeräte schon
einmal nachgearbeitet werden musste, da man nicht davon ausgegangen war,
dass auch eine ganze Schulklasse in das Spinnennetz gehen könnte.
Von diesem sehr schönen Anschauungsobjekt ging es dann die letzten paar
Meter bis zum Parkplatz. Hier mussten wir uns leicht sputen, da die
Wanderung ein ganzen Stückchen länger gedauert hatte, als zum Anfang
veranschlagt und wir Nachmittags auch noch die
Waldhuschenführung mitmachen
wollten.
Auch diese Führung hat uns sehr gut gefallen und langsam verstehe ich,
warum manchmal in der Kernzone, bzw. die Ranger sprechen lieber vom
Ruhebereich, des Nationalparks noch so mancher Baum mit einer
Säge umgelegt wird. Nochmals ein Danke schön an H. Böttger von
der Nationalparkwacht. Er hat die Führung sehr interessant gemacht und
sein gigantische Fachwissen auch Laien wie uns sehr gut rüber
gebracht.
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