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Anfang 2012 war in allen möglichen Medien auf einmal im
Gespräch, dass in der Sächsischen Schweiz Bunkerplätze für den
vorhergesagten Weltuntergang im Dezember 2012 angeboten wurden. Dazu gab es mehrere Ebay-Versteigerungen für einen mehrtägigen Aufenthalt in einem ausreichend
großen Bunker irgendwo im Bereich von Lohmen. Ich gehe doch mal davon
aus, dass ich mich ganz gut in der Sächsischen Schweiz auskenne und
auch im Bereich Lohmen und Wesenitz habe ich schon so manchen Ausflug unternommen,
trotzdem konnte ich es mir kaum vorstellen, dass sich so eine riesige Anlage
hier irgendwo befinden sollte. Netterweise wurde sehr schnell bekannt, dass
sich hinter der Versteigerung der Lohmener Motorradclub (www.lohmener-sachsen.de)
verbarg und diese ihr Clubgelände auf einem ehemaligen Armeegelände in der
Herrenleite haben. Komischerweise haben wir das Tal Herrenleite zwar schon
mal auf einer Wanderkarte gesehen und das untere Ende des Tals auch auf der
Genusswanderung passiert, aber tatsächlich sind wir noch nie in
der Herrenleite
gewesen. So etwas kann natürlich nicht so bleiben und deshalb haben wir uns
gleich mal auf den Weg gemacht.
Natürlich könnte man auch eine kurze Wanderung mit einem Hin- und Zurückweg
für diese Erkundung machen, aber irgendwie ist sowas ja nicht unser Ding. Man könnte sogar den größten Teil der Wanderung mit dem Auto
unternehmen, aber das ist noch langweiliger. Deshalb liegt der Startpunkt in
Lohmen an der Kirche. Von hier geht es geradeaus auf der Wanderwegmarkierung
roter Strich
in Richtung Lochmühle/Wesenitz.
Auf der linken Straßenseite fällt eine Giebelwand mit einer Jahreszahl auf.
Damit es nicht ganz so einfach ist, wurde die Jahreszahl in römischen Zahlen
geschrieben und so kann man ein wenig rätseln, wie alt das Gebäude wirklich
ist. Die Jahreszahl ist: MDCCCXXXI. Der markierte Wanderweg
führt sehr angenehm 1 ¼ Kilometer durch das bewohnte Gebiet von Lohmen, bis
der rote Strich von der Straße nach rechts runter ins Wesenitztal abbiegt.
Hier wird die Wegmarkierung verlassen und es geht noch ein kleines
Stückchen auf der Straße weiter durch Lohmen. Zuerst passiert die Straße die
Kläranlage, die netterweise vollkommen geruchlos ist und dann geht es noch
an dem Ortsteil namens Daube vorbei.
Dahinter geht es auf der Landstraße in Richtung Doberzeit. Zuerst
passiert die Straße die Bahnlinie zwischen Pirna und Lohmen. Danach muss man
leider auf der Landstraße entlang wandern, die aber netterweise nur relativ
wenig befahren wird. Dafür hat man einen guten Blick
runter in den weiten Talkessel der oberen Elbe mit Pirna und Dresden. Als
wir die Wanderung im April 2012 unternommen haben, gab es für uns ein
besonderes Schauspiel auf der linken Straßenseite. Hier befindet sich ein
bisschen abseits der Straße die Agrarproduktion "Zur Bastei" mit einem
großen Schornstein. Darauf hatte ein Storch ein ordentliches Nest gebaut und
war lustig mit dem Schnabel am Klappern. Als wir uns dem Gelände bzw. dem
Schornstein näherten, setzte der Storch sich gemeinerweise hin und war damit
in seinem Nest verschwunden. Schade, da bei uns in der Region Störche eine
echte Seltenheit sind und wir uns sehr gerne diesen großen Vogel aus der
Nähe betrachtet hätten.
Die Wanderung geht also weiter über die Landstraße bis in die Ortschaft
Doberzeit. Die große Dorfstraße sieht ganz besonders nett aus, da sich an
den Straßenrändern ein breiter Grünstreifen befindet.
Der
Streifen ist so breit, dass sogar an einer Stelle ein kleiner Rastplatz mit
zwei soliden Bänken und ein massiver Mühlstein Platz hat. Bei Doberzeit ist es sehr
auffällig, dass sich auf beiden Straßenseiten einige große Bauerhöfe nebeneinander befinden. Heutzutage sind viele dieser Bauernhöfe umgewandelt
in ziemlich groß geratene Wohnhäuser. Am Ende der Dorfstraße (Straßenname Am
Anger) erreicht man das hässlichste Stückchen der Wanderung. Hier muss man
etwa 300 Meter auf der S164 nach rechts wandern. Diese
Staatsstraße ist eine vielbefahrene Verbindung zwischen Pirna und Stolpen
bzw. Bastei und so ist es überhaupt kein Vergnügen, am Straßenrand entlang zu
wandern. Die ersten Meter kann man noch auf einem Bürgersteig bewältigen und
dann empfiehlt es sich, die Straßenseite zu wechseln, denn dort hat sich ein
Trampelpfad am Feldrand entwickelt. Nach den besagten 300 Metern biegt nach
links die Wanderwegmarkierung gelber Punkt
auf einen Feldweg ab.
Noch
ganz kurz vor dem Waldrand befindet sich am rechten Wegesrand ein uraltes
Steinkreuz, auf dem man leider keine Inschriften mehr entziffern kann. Am
unteren Rand befindet sich ein kleines Edelstahlschild mit der Inschrift
„Wiedererrichtet Anno 1970; Deutscher Kulturbund Pirna Numismatik“. Aber das
Kreuz sieht ganz sicher nicht so aus, als ob es 1970 neu erstellt, sondern
tatsächlich "nur" neu aufgerichtet worden ist.
Die Wanderung verläuft erst noch ein kurzes Stück horizontal, um dann in
einem kleinen Zickzack ins Tal abzusteigen. Auf dem Weg nach unten fällt ein
ziemlich großer Erdwall quer zum Tal auf, der ganz sicher nicht natürlich
entstanden ist. Im Tal kann man eine Bahntrasse und auf der
gegenüberliegenden Seite eine Straße entdecken. Genau diese Straße ist das
nächste Ziel und deshalb folgt man weiterhin der gelben Wanderwegmarkierung.
Schon bald erreicht man die Dorfstraße mit dem lustigen Namen Am Riesenfuß.
Diese wandert man bis zum Ende an den ehemaligen Gleisen. Hier biegt man
nach links auf die Arthur-Thiemann-Straße ab. Der Wanderweg ist hier immer
noch mit dem gelben Punkt markiert. Nach ein paar Metern erreicht man die
Kreisstraße 8710 (Wehlener Straße), die man wieder nach links weiter
wandert. Wieder an der ersten Möglichkeit geht es
nach links und damit hat
man die Straße ins Tal Herrenleite erreicht. Die Straße ist eine Sackgasse
und dadurch ist der Autoverkehr ziemlich gering. Auf der rechten
Straßenseite im Tal befanden sich früher so einige Steinbrüche, die man heutzutage
fast nicht mehr erkennen kann, aber es stehen immer noch die alten
Steinbruchnummern am Straßenrand.
Die Bahnlinie ist seit 1998 außer Betrieb genommen und genau aus dem Grunde
ist sie heutzutage auch schon ziemlich zugewuchert. Früher ist sie zum
Transport von Sandsteinen und Erdöl bzw. Benzin benutzt worden. Nach fast 1
½ Kilometern fällt auf der linken Straßenseite ein ungewöhnlich stabiler
Zaun auf. Solch einen Luxuszaun kann sich eine Privatperson oder ein
normaler Betrieb kaum leisten, aber ein militärisches Gelände. Genau so
etwas befand sich früher hier in dem hinteren Teil der Herrenleite
versteckt. Zuerst ist im 2. Weltkrieg ein Stollensystem für
die Erdölraffination unter Tage erstellt worden. Dieses ist am Ende des 2.
Weltkrieges gesprengt worden und danach wurde in einem Mineralölwerk die
Aufbereitung von Flugbenzin und Mineralöl durchgeführt. Dadurch wurde das
Tal bzw. die Umwelt ziemlich stark geschädigt. Noch heute befindet sich in
der Nähe des Feldbahnmuseums ein Tümpel, der mit einem Zaun geschützt werden
muss. Das ehemals militärische Gelände ist mindestens ½ Kilometer lang und die
eigentliche Zufahrt befindet sich am östlichen Ende. Hier biegt eine Straße
nach links ab und würde eigentlich aus dem Tal herausführen.
Auch die
Einfahrt sieht viel mehr nach Militär als
nach einem Motorradclub aus. Und auf diesem Gelände befinden sich auch die beiden
Stollenzufahrten. Diese Stollen sind tatsächlich nicht im 2. Weltkrieg
errichtet worden, sondern erst weit danach. Es gibt die unterschiedlichen
Jahreszahlen 1965 und 1985. Das Stollensystem ist über Jahrzehnte als Lager mit
unterschiedlichem Inhalt genutzt worden. Einerseits soll das Staatliche
Amt für Atomsicherheit hier schwach radioaktives Material gelagert haben
und dann haben die beiden Verteidigungsministerien (Volksarmee und Bundeswehr) hier
Kriegsgerät eingelagert. Zur Jahrhundertwende ist das Lager aufgegeben
und temporär mit Beton versiegelt worden. Seit ein paar Jahren hat der
Motorradclub das Gelände inklusive der leeren Stollen übernommen und hatte
nun die
unterhaltsame Idee mit dem Maya-Weltuntergang. Auf jeden Fall wäre der
Bunker wohl einer der sichersten Orte in Deutschland bei einem Weltuntergang und
auch sofort für eine große Anzahl zahlungskräftiger Mitmenschen verfügbar. Ob
man tatsächlich nach einem Weltuntergang noch wieder aus so einem Loch heraus kriechen möchte, bin ich mir nicht sicher, aber das sollte jeder für
sich entscheiden. (Die Frage ist, wie man sich den Weltuntergang
vorstellt. Ich denke mir da, wenn die Welt unterginge, im Sinne von einer
Riesenexplosion vielleicht, ginge ja wohl auch der Bunker mit unter, oder?
Es heißt ja "Weltuntergang" und nicht etwa "Untergang allen Lebens an der
Erdoberfläche" oder so...) Sehr unterhaltsam waren die Fragen in dem Ebay Angebot und
gerade deshalb waren wir eigentlich auch richtig enttäuscht, dass die
Angebote wieder aus der Versteigerung herausgenommen wurden.
Für die weitere Wanderung geht es noch ein kleines Stück weiter im Tal
Herrenleite. Nach ein paar
hundert Metern (700 Meter) erreicht man die
Ausstellungsfläche des Feldbahnmuseums. Es ist schon wirklich nett, die
vielen Exponate hier zu entdecken. Eigentlich ist das Museum nur ganz selten
(von Juli bis September; Samstag von 14 – 18 Uhr) geöffnet und deshalb sollte man
vor einem Besuch auf der Webseite (www.feldbahnmuseum-herrenleite.de)
des Vereins vorbeischauen. Am Eingang steht aber auch, dass
man das Gelände betreten darf, sobald das Tor offen steht. Es ist wirklich
beeindruckend, mit welcher Hingabe sich hier eine große Anzahl Erwachsene
(meistens scheinen es Männer zu sein) mit diesen etwas zu klein geratenen
Eisenbahnen beschäftigen.
Für die weitere Wanderung bietet sich sehr gut die Verlängerung der Zufahrt
zum Feldbahnmuseum an. Dazu geht man, wenn denn das Tor zum Gelände offen
ist, auf der gegenüberliegenden Talseite den Hang hinauf. Zuerst sieht es so
aus, als wenn nach ein paar Metern ein großes Tor den Weg versperrt, aber
links von dem Tor ist der Zaun unterbrochen und man kann weiter aus dem Tal
aufsteigen. Hier hinter dem Feldbahnmuseum scheinen nur sehr wenige Besucher
bzw. Wanderer unterwegs zu sein, weil die riesig breite Zufahrt auch im
Frühjahr mit einer dichten Blätterschicht bedeckt ist. Auf der linken Seite
kann man am oberen Rand der Herrenleite mindestens einen Steinbruch
entdecken, der sogar noch eine gut sichtbare Sprengstoffkammer hat. Am Ende
dieser rückseitigen Zufahrt stößt die Wanderung auf die Verbindungsstraße
zwischen Dorf Wehlen und Lohmen. Dieser unscheinbare Feldweg ist aber
asphaltiert und wird auch von ein paar autofahrenden Insidern benutzt. Hier
geht es auf der Wanderwegmarkierung roter Strich
nach links weiter.
Der
Feldweg ist sehr schön mit einer Allee Obstbäume geschmückt und kurz vor
Lohmen wechseln diese kleineren Bäume in uralte Kastanien. Wir waren schon
zum Anfang des Feldweges über den Namen der Straße Kastanienallee überrascht
und haben eigentlich schon an unseren Biologiekenntnissen gezweifelt. Aber
zum Glück hat sich die Namensgebung dann doch noch geklärt. Die
Kastanienallee endet ganz knapp neben der Kirche von Lohmen und damit ist
diese Wanderung am Anfangspunkt wieder angekommen. Es war schon mal wieder
sehr interessant, dass man jahrelang in der Sächsischen Schweiz herumwandern
und immer noch was Neues entdecken kann. Das Tal der Herrenleite
ist ein typischer Fall dafür. Wer vielleicht auch noch mit uralten
Wanderkarten ausgestattet ist, der wird das Tal womöglich überhaupt nicht
entdecken, da es einige Jahrzehnte eine militärische Sperrzone war und
einfach nicht dargestellt wurde. Natürlich ist zu hoffen, dass die Maya
nicht mit ihrem Kalender recht haben und der Bunker in der
Herrenleite doch noch benötigt wird. Grundsätzlich ist die Wanderung aber
nicht gerade ein Hit, da es einfach zu lange auf irgendwelchen gut befahrenen
Landstraßen entlang geht.
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