Kleiner Hinweis vorneweg:
Im Moment wird an der oberen Mauer der Festung gearbeitet und deshalb ist
der Patrouillenweg gesperrt. Leider konnten wir nicht herausfinden, wie
lange die Bauarbeiten andauern werden. Stand September 2009.Die Wanderung auf dem Patrouillenweg ist
dadurch entstanden, dass wir mal wieder mit dem Finger auf der Wanderkarte
von Dr. Böhm (www.boehmwanderkarten.de)
herumgefahren sind und den Pfad um die Festung Königstein entdeckt haben.
Die Festung haben wir nun schon einige Male bestiegen, aber dass es einen
Pfad am Fuße des Felsen geben soll, war uns bis jetzt noch nicht
aufgefallen. Das musste natürlich gleich erforscht werden. Den Startpunkt
haben wir auf den riesigen Parkplatz der Festung Königstein gelegt und von dort geht es
erst mal den Besuchermassen hinterher. Der Aufstieg
ist mit dem blauen Strich
markiert. Nachdem man am Felsfuß angekommen ist, geht es nach rechts am
Felsen entlang. Die Wanderung passiert das untere Kassenhäuschen, den
neuen Panoramaaufzug und den Busparkplatz. Noch bevor man den Patrouillenweg
betritt, befindet sich links oben eine ausgemauerte Kerbe im Felsen, in der
man deutlich einen alten Torbogen erkennen kann. Bei diesem uralten Torbogen
wird vermutet, dass es sich um einen der beiden Zugänge der ursprünglichen
Festung bzw. Burg handelte.
Hinter dem Busparkplatz beginnt der Patrouillenweg. Obwohl
er gerade erstklassig saniert und gesichert worden ist, weist
ein seltsames Schild auf die Gefahren hin. Der Inhalt des Schildes ist:
Patrouillenweg gesperrt; Begehen auf eigene Gefahr; Herabfallendes Gestein;
Absturzgefahr; Direktion der Festung Königstein. Na ja, so ein Schild müsste
dann eigentlich so ziemlich an jedem Weg in der Sächsischen Schweiz stehen, da
der Felsen etwas natürliches ist,
an dem immer irgendetwas abbrechen kann und
wo man durch größere Unachtsamkeiten herunterfallen kann. Der Patrouillenweg ist sehr
angenehm zu wandern und verläuft unterhalb des oberen Rundweges. Nach
ungefähr 400 Metern, also wenige Meter vor dem
südlichen Ende des Königsteins, kann man am Felsen den sogenannten Abratzkykamin
entdecken. Leider sind wir uns nicht ganz sicher, welche der Felsspalten
nun die Sagen umwobene ist, auf jeden Fall ist
dieser Aufstieg nach Johann Friedrich Sebastian Abratzky benannt. Herr Abratzky hat
am 31. März 1848 angeblich als einziger jemals geschafft, die Festung zu
bezwingen. Das hat ihm damals 12 Tage Festungshaft eingebracht und sein Name
ist seitdem mit der Festung Königstein verbunden.
Der östlichste Felsen der Festung heißt Königsnase und muss auf dem weiteren
Verlauf nur umrundet werden. Dann geht es an der Elbeseite der Festung
weiter, bis nach rechts ein unauffälliger Zugang zu einer Aussicht abzweigt.
Diesen kleinen Abstecher sollte man aus zwei Gründen unbedingt unternehmen.
Auch wenn man im zweiten Teil der Wanderung von der Festung sogar noch
besser auf die Elbe runter sehen kann, so ist diese Aussicht ganz sicher die
ruhigste Aussicht am ganzen Königstein. Das zweite Interessante an dieser
Aussicht ist eine Nische im Felsen. Wir vermuten, dass die Grotte den
damaligen Patrouillen als geschützter Rastplatz diente, wobei man von
hier aus auch die Umgebung hervorragend beobachten kann. Die Wanderung geht
auf dem Patrouillenweg weiter unterhalb der Festung am Felsfuß entlang.
Schon nach wenigen Metern erreicht man noch eine weitere Nische, die sich
aber diesmal auf der linken Wegseite befindet. Diese Grotte ist etwas größer
als die an der Aussicht. Links und rechts davon kann man sehr gut die
Felssicherungsmaßnahmen erkennen. Hier sind mehrere Felsspalten mit
Sandsteinen aufgefüllt worden, damit der Felsen nicht weiter abbrechen kann.
Die Wanderung verläuft weiterhin auf einem sehr einfach zu findenden Weg,
nur ein einziges Mal geht es ein kleines Stück den Hang hinunter, was man
aber auch auf Anhieb sieht. An einer weiteren Stelle kann man, wenn man die
Felswand nach oben schaut, die Friedrichsburg auf der Felskante stehen
sehen. Die Wanderung führt um die Pfeilschanze herum, an der man sehr gut
den Überkletterschutz erkennen kann. Nach dieser ersten Runde um die Festung
Königstein geht es noch die letzten paar Meter wieder bis zum Kassenhäuschen
hoch. Hier ist die untere Runde beendet und es geht auf die zweite Etappe
der Wanderung.
Um auf die Festung Königstein hinauf zu kommen gibt es drei Möglichkeiten,
sofern man die Variante mit dem Klettern ausschließt. Einerseits könnte man
durch den Haupteingang und die dunkle Appareille hoch wandern, dann gibt es
den riesigen Lastenaufzug im Felsen und zu guter Letzt den neuen Panoramaaufzug.
Wir
schlagen einen der beiden Aufzüge vor. Der große Lastenaufzug ist für den
technikbegeisterten Besucher etwas interessanter, im Panoramaaufzug kann man
schon auf der Fahrt den Blick in die Landschaft genießen. Rechts neben dem
Panoramaaufzug kann man am Felsen ein Strichmännchen erkennen. Bis heute
sind wir nicht dahinter gekommen, wie alt es ist oder was es bedeutet, aber eines
sind wir uns sicher, dass diese Felsenmalerei nicht von heutigen Bauarbeitern
stammt.
Nachdem man mit dem Aufzug auf die Ebene hochgefahren ist, staunt man beim
ersten Besuch, wie riesig die Fläche auf dem Felsen ist. Insgesamt soll das
Festungsplateau 9,5 ha groß sein. Uns sagt so eine Flächeneinheit relativ wenig, aber
wenn man sieht, wie viele große Gebäude hier oben Platz haben, dann staunt
man nicht schlecht. Damit man noch bessere Vorstellungen der Größe erhält,
bietet sich ein Rundgang an der befestigten Felskante sehr gut an. Ein
weiterer großer Vorteil von der Wanderung an dem Brustwehr entlang ist der
gigantische Ausblick. Wir gehen los, und zwar entgegen des
Uhrzeigersinns. Vom Aufzug kommend, erreicht man zuerst
ein unauffälligeres Gebäude. Es ist die Bäckereikasematte. Dieser Bereich
war im Herbst 2007 einer der Schwerpunkte von Sanierungsarbeiten.
Durch
konstante Überarbeitung des Geländes wird die gesamte Festung gepflegt und
dann muss man auch mal ein paar kleinere Unannehmlichkeiten ertragen, z.B. einen Bogen wandern. Hinter der Bäckereikasematte steht die
riesige Alte Kaserne. Das Gebäude ist auch vom Rundweg gut zu sehen. Diese
Kaserne ist mit mehr als vier Jahrhunderten Deutschlands älteste Kaserne.
Vor
ca. 300 Jahren ist sie noch einmal gravierend erweitert worden. Die nächsten
Gebäude sind das Alte Zeughaus, der Artillerieschuppen und das
Friedenslazarett. Bei dem Friedenslazarett habe ich schon mehrmals davon
geträumt, es in ein Wohnhaus umzubauen. Das wäre dann vermutlich eines der
schönsten Wohnhäuser mit dem besten Ausblick von Sachsen. Hinter diesem sehr
schönen Haus, das im Moment im Dornröschenschlaf liegt, verläuft der
Wanderweg am Brustwehr entlang. Da diese schützende Mauer an der Felskante
gebaut worden ist, macht sie so einige kleinere Schlenker. Dieses Teilstück
macht kleinen Kindern am meisten Spaß, da die einzelnen kleinen Wachtürme
zum Versteckenspielen hervorragend geeignet sind und die Schießschachte auch
den Zwergen die Möglichkeit geben, über bzw. durch die schützende Wand zu
blicken. Auf der linken Wegseite liegt auf halber Strecke das dunkle Loch
der Pestkasematte. Kurz vor dem
östlichsten Zipfel mit dem witzigen Namen Königsnase sollte man noch mal
über die Brüstung schauen, weil sich hier der schon bekannte Abratzkykamin
befindet.
Heutzutage
darf dieser Felsen bzw. diese Felsspalte von Bergsteigern beklettert werden,
aber die Einschränkung ist, dass man auf diesem Weg die Festungsmauer nicht
überschreiten darf. Von der Königsnase, wie auch von dem ganzen nächsten
Teilstück, hat man einen wunderschönen
Ausblick
auf den Lilienstein und die Elbe. An der Königsnase befindet sich eine
vorgelagerte Aussicht, die zwar von ein paar Besuchern ganz gerne angesteuert
wird, aber der größte Teil der Festungsbesucher bleibt im bebauten Teil der
Festung hängen. So kann man die Aussicht ganz gut genießen. Auf dem weiteren
Weg, jetzt auf der Elbeseite, erreicht man noch eine dieser vorgelagerten
Aussichten. Hier hat über mehrere Jahrhunderte eine Eiche gestanden, die so
manchem Blitzschlag widerstanden hat. Deshalb wird diese Aussicht auch
Blitzeichenplateau genannt. Heutzutage steht hier eine neu gepflanzte Eiche, die
erst noch groß werden möchte. Von dieser Aussicht hat man auch schon einen
sehr schönen Blick auf die
Friedrichsburg
und dabei kann man deutlich erkennen, wie dieses Gebäude auf den
Felsvorsprung maßgeschneidert worden ist. Genau auf dieses schöne Gebäude
geht es jetzt drauf zu. Der Name ist leicht irreführend, da man sich normalerweise unter dem
Namen Burg etwas größeres vorstellt. In diesem Fall ist es eher ein kleines
Gebäude von der Art eines Pavillons, aber mit zwei Etagen. Die untere Etage kann man nicht einsehen, aber
dafür sieht das obere Stockwerk richtig toll aus. Es besteht aus einem
einzigen Raum, der übrigens auch als Trauzimmer benutzt werden kann. Das ist schon etwas
sehr besonderes, aber noch viel besser ist das
"Tischleindeckdich".
Damit kann der Tisch
in der unteren Etage gedeckt und
bestückt werden und dann nach oben gefahren werden. Das stelle ich mir sehr
lustig vor. Hinter
der Friedrichsburg geht es noch ein kurzes Stück weiter am Brustwehr bis zum
Hungerturm. An diesem extrem schlanken Turm steht eine Informationstafel,
die ich nicht so ganz verstehe. Auf der Tafel wird erklärt, dass der
Name dieses Turms vermutlich daher kommt, dass er als Gefängnis benutzt wurde.
Irgendwie kann man sich das aber nicht so richtig vorstellen, da noch nicht mal
eine Treppe in dieses schlanke Türmchen passen kann. Wie sollen denn dann
dort Gefangene gelebt haben? Oder war es nur ein einzelner, der in der oberen
Etage auf weniger als 1 m² hauste? Vermutlich ist ein Gefängnis früher etwas
anderes gewesen, als man sich unter heutigen Bedingungen vorstellen kann.
Nach diesem zweiten Rundgang um die Ebene der Festung geht es jetzt an die
Gebäude. Auf der linken Seite steht die Garnisonskirche.
Was
ganz besonders erwähnenswert ist, ist der romanische Türbogen, der unter dem Putz
zum Vorschein gekommen ist. Damit ist mal wieder deutlich zu sehen, dass auf
dem Königstein immer mal wieder bauliche Änderungen vorgenommen wurden, aber
die ältere Bausubstanz mitbenutzt wurde. Man vermutet, dass der Türbogen
und die Basis der Kirche um ungefähr 1200 entstanden sind. Von der Kirche
geht die Wanderung weiter auf die Vorderseite des sehr wuchtig aussehenden
Proviantmagazins. Hier führt eine Rampe unter das Gebäude. Zuerst soll in
diesem tiefen Keller ein riesiges Fass mit einem Fassungsvermögen von
238.000 Liter gelagert haben. Danach wurden der Keller und das darüber
liegende Gebäude für die damaligen Verhältnisse zu einem beschussfesten
Lager umgebaut. Als wir die Wanderung unternommen hatten, war gerade ein
Touristenführer mit seiner Gruppe hier unten und erzählte sehr anschaulich
über das Leben hier auf der Festung, von Frauen und Kindern, den Aufgaben
aller etc. Z.B. stand jedem Bewohner, egal welchen
Alters, pro Tag eine Menge von 2 Litern Bier zu. Dabei soll es sich um
ein ziemlich dünnes, aber relativ nährstoffreiches Bier gehandelt haben.
Die Wanderung führt wieder aus dem Keller heraus und am besten gleich rechts
gegenüber in das größere Gebäude wieder hinein. Hier befindet sich der tiefe
Brunnen, der das gesicherte Leben auf der Festung überhaupt erst ermöglicht
hat. Wenn man Glück hat, dann findet im Brunnenhaus gerade eine Vorführung
der renovierten Technik statt. Auch wenn die Vorführung 1/2 Stunde dauern
soll, so ist es wirklich sehenswert und ziemlich unterhaltsam. Das 152,5 Meter tiefe und
im Durchmesser 3,5 Meter messende Loch wurde zwischen 1563 und 1569, in für
damalige Verhältnisse und mit den damaligen Mitteln unvorstellbar kurzer
Zeit, in den Felsen gegraben bzw. geklopft. Auf den letzten 12 Metern mussten auch noch die täglich anfallenden
Wassermassen (ca. 8 m²) beseitigt werden. Heutzutage könnte man dazu eine
etwas bessere Baumarktpumpe nehmen, aber früher war das alles ein ganzes
Stück
schwieriger. Faszinierend fanden wir auch, als der Vorführer einen Becher
mit Wasser in den Brunnen kippte und man die Ankunft des Wassers deutlich
sehen sollte. Irgendwie dachten wir, dass wir es nicht gesehen hätten, da es
riesig lange bis unten brauchte, aber dann war es doch äußerst deutlich zu
sehen. Nach dieser letzten Station auf der Festung geht es an den Abstieg.
Auch wenn vorher größere Massen an Besuchern auf der Festung leicht gestört
haben könnten, so kann es jetzt ganz unterhaltsam sein zu beobachten, wie so mancher
Besucher mit seltsamstem Schuhwerk versucht, die Schräge hinunter zu kommen.
Jegliche Absätze sind bei dem Gefälle nämlich vollkommen ungeeignet, die
Pflastersteine machen es auch nicht leichter, und eigentlich
kommen nur Leute mit Wanderschuhen so einigermaßen elegant durch die
sogenannte Dunkle Appareille.
Genauso ist die Holzrampe über dem Trockengraben bei feuchter
Witterung eine erstklassige Rutschbahn, die sicherlich schon so manchen Zehennagel auf
dem Gewissen hat. Nachdem man die Rampe runter gegangen ist, passiert man
das
Medusentor.
Wenn man den Torbogen hinter sich hat und sich umdreht, dann kann man den Medusenkopf als
Schlussstein in dem Torbogen sehen. Dieser hässliche Kopf sollte potenzielle
Angreifer abschrecken. In der altgriechischen Sagenwelt heißt es ja, dass
derjenige, der die Medusa ansieht, zu Stein erstarrt, oder so ähnlich. Na,
ob sich die Landsknechte oder wer sich zur Zeit der Erbauung dieses Tores so
rumtrieb, mit den alten Griechen auskannten? Oder, ich stelle
mir das gerade bildlich vor: wilde Horden, die gerade die Festung Königstein
überfallen wollen und vermutlich deswegen mit einem Puls von höher als
zweihundert unterwegs sind, sehen das Medusengesicht und machen sicherlich vor lauter
Schreck auf dem Absatz kehrt. Wer's glaubt... Hinter dem Medusentor geht es noch ein kleines
Stückchen abwärts und das letzte Tor und damit das Kassenhaus wird passiert.
Wenn
man von oben kommt und aus dem Tor heraustritt, dann befindet sich an der
linken Seite ein wirklich seltsam aussehendes Tor. Leider habe ich bis heute
nicht erfahren, ob dieser Balken mit vielen Stacheln dran aus weit
vergangenen Zeiten stammt oder aus der Neuzeit ist. Auf jeden Fall würde es
in der heutigen Zeit als erstklassige Sperre funktionieren. Der Weg führt
weiterhin der Berg abwärts. Zwischendurch sollte man sich immer mal wieder
herumdrehen, da der Blick auf die aufragende
Georgenburg
bzw. das Komandantenhaus sehr beeindruckend ist. An der letzten Schutzmauer
der Festung geht es über die Rothe Brücke.
Wenn damals die Festung Königstein angegriffen worden wäre, dann wäre diese
Brücke bzw. der Graben das erste Hindernis gewesen. Damit die Brücke
möglichst schnell nach oben geklappt werden konnte, wurde sie 1886 als
Wippbrücke umgebaut. Nach diesen zwei unterschiedlichen Rundgängen um die
Festung Königstein geht es die letzten paar Meter wieder auf dem bekannten
Weg herunter bis zum Parkplatz.
Den oberen Weg um die Festung sind wir doch schon einige Male gewandert,
dass es aber auch am Fuße des Königsteins noch so einen schönen Weg gibt,
war uns bis dahin unbekannt. Aus unserer Sicht ist dieser Bogen eine
Bereicherung des Besuchs auf der Festung und eine sehr nette Einstimmung auf
die nachfolgende neuzeitige Eroberung. Der Vollständigkeit halber wollen wir
natürlich noch auf die offizielle Webseite der Festung hinweisen,
www.festung-koenigstein.de , die einen sehr schönen Gesamtüberblick und
die aktuellen Dinge wie Eintrittspreise, Öffnungszeiten und Führungen
bietet.
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