Forstweg und asphaltiert
Wanderweg und Pfad
Treppen
Klettern
Beschreibung:
Als erstes die zwei wichtigsten Punkte: Bei
dieser Runde sollte man sich bewusst sein, dass man mit dem Gratweg in der
Kernzone herumwandert und dies womöglich nicht ganz legal ist. Natürlich
würde ich mich auf keinen Streit mit einem Nationalparkranger einlassen,
aber aus meiner Sicht ist dieser Pfad ein kulturhistorischer Weg, der
mindestens 150 Jahre früher als der Nationalpark da war. Auf unserer
Webseite steht zwar, dass die Wanderung von mir mit nur 2 Sternen eingestuft
worden ist, das soll aber nur verhindern, dass auf einmal Horden an
Wanderern auf der Runde unterwegs sind. Eigentlich hat mir die Wanderung so
viel Spaß gemacht, dass es 4 oder sogar 5 Sterne sein müssten. Von dem Weg
auf den Thorwalder Wänden habe ich auf zwei unterschiedlichen Webseiten
gelesen. Irgendwie konnte ich mir aber kaum vorstellen, dass es dort einen
Weg gibt, da auf der Karte Großer Zschand von Dr. Böhm (www.boehmwanderkarten.de)
nichts eingezeichnet ist. Normalerweise gehe ich davon aus, dass etwas, was
auf der Karte von Dr. Böhm nicht vorhanden ist, auch nicht in der Natur da
ist.
Der Startpunkt liegt an der Neumannmühle. Von hier geht es ein riesiges
Stück durch den Großen Zschand. Zu allererst ist der Große Zschand,
gekennzeichnet mit der Wanderwegmarkierung gelber Strich
,
eine wirklich enge und hohe Schlucht. Dadurch ist hier selbst im Sommer ein
angenehm kühles Klima, was mir an dem heißen Sommertag sehr entgegen kam. Es
sollte aber im späteren Teil der Wanderung noch anders werden. Schon nach
ein paar hundert Metern im Großen Zschand fällt auf der rechten Seite eine
Türe unter einem Felsen auf. Dabei handelt es sich um eine uralte
Schwarzpulverkammer. Von diesen Miniräumen gibt es einige in der Sächsischen
Schweiz, die alle den gleichen Aufbau haben. Von außen sind die Räume mit
ein bis zwei Türen geschützt. Dahinter ist ein Vorraum von schätzungsweise
1,5 m (h) x 1,5 m (b) x 2 m (t) und in einer der drei Wände ist ein kleines
Fach mit Türe, wo anscheinend das Schwarzpulver aufbewahrt wurde. Früher ist
es so gewesen, dass nicht nur die Bäume gefällt, sondern auch die Wurzeln
verwendet wurden. Eine Wurzel aus dem Waldboden herauszubekommen ist
wahnsinnig kräftezehrend. Heutzutage kann man eine Wurzel mit größeren
Maschinen aus dem Boden zupfen, früher hat man dazu das Schwarzpulver
benutzt. Vermutlich sieht man auch deshalb manchmal noch Krater im
Waldboden, weil dann doch mal jemand mit der Menge des Schwarzpulvers
übertrieben hat.
Die Wanderung führt weiter durch den Großen Zschand leicht ansteigend
aufwärts Richtung Zeughaus. Bald weitet sich das Tal und es wird auch
deutlich wärmer. Wenige Meter vor dem Zeughaus befindet sich auf der rechten
Seite eine Informationsstelle des Nationalparks. Hier lohnt es sich immer,
einen Abstecher hinein zu unternehmen, da jede der Informationsstellen ein
anderes Thema behandelt und diese Themen auch jedes Mal hervorragend
präsentiert werden. Gleich neben dem Haus befindet sich auch die letzte
Möglichkeit (www.alteszeughaus.de),
noch eine Erfrischung zu kaufen, danach muss man auf Selbstversorger
umstellen.
Die Wanderung führt jetzt weiter durch den Großen Zschand, wobei sich die
Wanderwegmarkierung auf den roten Strich
geändert hat. Gleich auf den ersten Metern hinter dem Zeughaus fällt auf der
linken Seite eine riesige Wiese mit einer offiziellen Feuerstelle auf. Hier
hat früher ein Ferienheim für Mitarbeiter des Ministeriums für
Staatssicherheit der DDR gestanden, das nach der Wende erst einige Jahre
ungenutzt vergammelte und dann im Jahre 2000 abgerissen wurde. Ziemlich
komisch fand ich das schon, dass man bei dieser Ausgangsposition für tolle
Wanderungen nichts Sinnvolles draus machen konnte. Aber dadurch ist es hier
in dem hinteren Teil des Großen Zschands wunderbar ruhig und man kann
vollkommen ungestört in das Tal hinein wandern.
Das gesamte Gebiet des hinteren Großen Zschands ist umschlossen von der
sogenannten Kernzone. Aus der Sicht des Nationalparks dürfen hier nur "im
Gelände markierte Wege" betreten werden. Die Frage ist natürlich, was die
markierten Wege sind. Bei Wanderern ist eine Wegmarkierung ein bunter
Strich/Punkt, aber es gibt auch noch die Kletterzugänge. Hier bin ich mir
selber nie einig, ab wann man in die Kategorie Kletterer gehört. Ziemlich
seltsam ist es auch, wenn man in den Großen Zschand hinein wandert, wieviele
Wege und Pfade links und rechts abbiegen, die alle keine Markierung auf den
ersten paar Metern haben. Wenn man dann den Pfaden ein Stückchen gefolgt
ist, dann ist auf einmal ein Pfeil zu sehen. Warum dürfen Kletterer kreuz
und quer die Kernzone durchschreiten und an fast allen Felswänden
hochklettern, wenn es gleichzeitig mit einer Vielzahl von Schildern für
Wanderer verboten ist?
Die Wanderung führt auf jeden Fall weiter durch den Großen Zschand. Nach
etwas mehr als 2 ½ Kilometern auf der roten Wanderwegmarkierung biegt diese
aus dem Tal ab, aber die Wanderung geht noch ½ Kilometer weiter in Richtung
tschechische Grenze. Zum Anfang des unmarkierten Weges weist zwar ein Schild
darauf hin, dass dieser Weg nicht erlaubt ist, aber wie man gut dem
Zählautomaten entnehmen kann,
ignorieren viele Wanderer dieses Verbot und außerdem ist es ein historischer
Weg, der mindestens seit zwei Jahrhunderten vorhanden ist. Nach dem besagten
½ Kilometer geht auf der linken Seite ein deutlich sichtbarer Weg aufwärts.
Bei
dem Weg handelt es sich nicht nur um einen Pfad, sondern um einen Waldweg
mit Fahrzeugbreite. Auch hier ist es wieder so, dass die Kennzeichnung als
Kletterzugang ein Stück vom Hauptweg entfernt liegt. Das größte Stück der
Strecke ist noch angenehm ansteigend und erst wenn der Pfad auf der rechten
Seite an die tschechische Grenze stößt, wird die Steigung richtig
anstrengend. Der geplante Wanderweg ist durch die Grenzsteine sehr einfach
zu finden und am höchsten Punkt (Hauptgrenzstein 6) wird die Grenze nach
links verlassen.
Jetzt beginnt der eigentliche Gratweg auf den Thorwalder Wänden. Auch wenn
der Pfad ganz hervorragend versteckt liegt und anscheinend von allen Seiten
verschwiegen wird, so ist der Verlauf gut zu erkennen. Ich habe mal die
Theorie gehört, dass ein Pfad entsteht, wenn mindestens 200 Leute im Jahr
auf einer Strecke entlang wandern. Damit kann man sich ungefähr vorstellen,
wie viele Wanderer außer mir hier unterwegs sind. Wenn man sich die
Wanderkarte von Dr. Böhm ansieht, dann fallen auf den Thorwalder Wänden
kleine Kreuzchen auf. Wenn man die Kreuze miteinander verbindet, dann
entsteht genau der Gratweg. Der Startpunkt des Gratweges ist auf der
Wanderkarte Großer Zschand das eingezeichnete Wandermädchen.
Nach weniger als 200 Metern biegt ein Pfad nach links auf das Lange Horn ab.
Den Abstecher kann man aber getrost auslassen, da es heutzutage einfach
keine lohnenswerte Aussicht mehr gibt. Es geht weiter über den hintersten
Teil des Gratweges. Schon nach wenigen Metern geht es auf der westlichen
Seite ein Stückchen abwärts und man erreicht die offizielle
Wanderwegüberquerung der Thorwalder Wände. Hier kann man natürlich immer nur
wieder hoffen, dass einem nicht genau in dem Augenblick ein anderer Wanderer
begegnet. Zumindest für den weiteren Weg würde ich dann doch solange warten,
bis der oder die anderen Wanderer außer Sichtweite sind. An der höchsten
Stelle dieses markierten Wanderweges befindet sich eine deutlich sichtbare
Felsspalte, durch die die Wanderung weiter geht. Auch wenn der Weg
eigentlich nicht so aussieht, als wenn man dort hoch kommt, so ist es
ziemlich einfach, weiter aufzusteigen.
Danach kommt erst mal wieder ein Stück von fast ½ Kilometer, das der
Erholung dient, um dann auf richtig anspruchsvoll umzuschwenken.
Es
geht durch eine sehr steile Felsspalte abwärts. Hier sind zwar Stufen in den
Felsen eingearbeitet, aber irgendwie sind die viel zu steil, um von oben
nach unten zu klettern. Da ich die Runde alleine gewandert bin, musste ich
natürlich umso vorsichtiger unterwegs sein, weil ich bei einem Fehltritt
sonst nur auf ein funktionierendes Handy setzen könnte. Da ich aber in
meinem Rucksack seit ein paar Jahren auch ein 20-Meter-Seil bei mir trage,
durfte
das Ding zum ersten Mal eingesetzt werden. Vermutlich hätte jeder Kletterer
über so einen ungeschickten Wanderer gelacht, aber ich bin die Spalte ohne
Blessuren heruntergekommen und habe mich danach über meine Kletterleistung
gefreut. ¼ Stunde später kommt noch eine weitere und sogar längere Schlucht,
aber hier kann man sich ganz gut links und rechts an den Felswänden
abstützen. Da die Wände sehr mit grünem Moos und Algen überwachsen sind,
kann es nach dem Abstieg sehr gut sein, dass die Kleidung nach einer
Waschmaschine schreit.
Ab dieser Stelle geht es wieder sehr angenehm weiter. Deutlich sind Spuren
des ursprünglichen Pfades zu erkennen.
So
findet man an richtig vielen Stellen Stufen im Felsen und auch immer wieder
Aussparungen im Felsen für Balkenlager. Dass die Dinger heutzutage entweder
absichtlich entfernt wurden oder einfach nur verrottet sind, ist schade,
aber zum Glück an keiner einzigen Stelle wirklich störend.
Auf
dem gesamten Gratweg kann man auch immer wieder die alten Zahlen in den
Felswänden entdecken. Ziemlich interessant ist die Jahreszahl 1853 am Ende
des Gratweges. Hier kann man in der Natur entdecken, dass schon seit fast
zwei Jahrhunderten Wanderer unterwegs sind. Wenn man dann in der Literatur
wie z.B. Herrn Götzingers Reisebeschreibung von 1812 liest, dass der Weg von
"Holzmachern und Breuselbeerweibern" benutzt wurde und er den Weg empfahl,
dann ist es doch ein deutliches Zeichen, dass der Pfad schon seit weit mehr
als 200 Jahren besteht.
Ganz am Ende des Gratweges kommt noch mal eine Schlucht, die von oben
gesehen zuerst einen ganz unscheinbaren Eindruck macht. Je weiter man aber
nach unten kommt, desto steiler und enger wird die Felsspalte, sodass der
beste Weg die beiden Felswände in klemmender Position sind.
Danach
sieht man dann endgültig wie ein Schwein aus. Als ich die Runde gedreht
habe, war es einer der heißen Sommertage 2010 und so war ich gigantisch
durchgeschwitzt und dazu an mehreren Stellen moosgrün. Gut, dass ich für den
Rückweg eine Strecke ausgewählt habe, die so einigermaßen menschenleer ist.
Für den weiteren Weg geht es dann nach links runter zum unteren
Thorwalder-Wände-Weg. Er ist mit dem grünen Strich
markiert und schlängelt sich am Fuße der Felswände entlang. Dem Weg folgt
man nach rechts. Nach ungefähr 200 Metern erreicht dieser Waldweg eine
Kreuzung, an der der markierte Weg nach links abbiegt. Hier geht es schräg
nach rechts vorne weiter um den Hochhübel herum. Der Weg ist ein Forstweg,
der selten von anderen Wanderern benutzt wird. Nach sehr genau einem
Kilometer macht der Weg einen seltsamen Knick nach rechts, obwohl man
eigentlich geradeaus weiter müsste. Als Wanderer kann man aber den direkten
Weg absteigen und damit erreicht man die Kreuzung mit dem Saupsdorfer Weg
(blauer Strich). Hier geht es geradeaus über den breiten Forstweg hinweg, um
weiter in die Richtung des Großen Teichsteins zu wandern. Die Kreuzung mit
dem Zugang zum Großen Teichstein erreicht man schon nach ein paar hundert
Metern und man sollte sich ganz sicher nicht den Großen Teichstein entgehen
lassen. Auch wenn der Zugang zu der Aussicht einen ¾ Kilometer vom Wanderweg
entfernt liegt, so sollte man diesen Abstecher unbedingt unternehmen.
Nach diesem Zwischenstopp kommt ein sehr erholsames Stück über den Flügel E.
Dazu biegt man vom Teichsteinzugang nach links ab und folgt der breiten
Forststraße über eine Strecke von 2 ½ Kilometern. Dafür, dass die 2 ½
Kilometer über den Gratweg der Thorwalder Wände ziemlich abwechslungsreich
waren und so manches hoch und runter enthalten haben, ist die gleiche
Streckenlänge über den Flügel E eher erholsam, aber auch hier trifft man
normalerweise nur ganz selten andere Wanderer. Nach den 2 ½ Kilometern
erreicht man den Abzweig zur Buschmühle und damit den Weg runter ins
Kirnitzschtal. Die letzten paar Meter sind ziemlich schnell geschafft und
entweder kehrt man bei der Buschmühle (www.die-buschmuehle.de)
für eine Stärkung ein oder man wandert noch die letzten paar Meter das Tal
abwärts bis zum Ausgangspunkt an der Neumannmühle.
Damit ist eine sehr schöne Wanderung zu Ende gegangen, bei der ich
inzwischen weiß, warum mich einer unserer Leser auf die Schwierigkeit des
Gratweges aufmerksam gemacht hat. Der Weg ist von der technischen Seite
nicht gerade einfach, aber dadurch umso interessanter.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Bad Schandau. Von Bad Schandau mit
dem Bus R-241.
Auto:
Über die B172 bis Bad Schandau. Bitte den Weg über Sebnitz wählen, da die Strecke durch Kirnitzschtal quer durch den Nationalpark führt. Von Bad Schandau weiter nach Sebnitz und dann über Ottendorf runter ins Kirnitzschtal.
Empfohlener Parkplatz:
Neumannmühle
; Parkplatzgebühr für die Wanderung:
3 €
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
MapSource
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