| Zuerst das Wichtigste vorneweg. Dieses ist
keine Wanderbeschreibung im eigentlichen Sinn, sondern ein Erfahrungsbericht
zu einer geführten Wanderung durch einen Nationalparkführer. Nachdem ich die
ersten guten Erfahrungen mit den Nationalparkführern gemacht habe, war es
mal wieder an der Zeit, eine Runde mit einem Profi zu unternehmen. Auf der
Internetseite des Nationalparks Sächsische Schweiz (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de)
habe ich folgende Führung entdeckt und das hörte sich vielversprechend an:
Kleindenkmale am Malerweg
Auf unserem Weg finden wir verschiedene Kleindenkmale wie alte Jahreszahlen,
Felsbilder und Salzlecken. Unterwegs bieten sich im Wechsel von Felsen, Wald
und Wiesen interessante Ausblicke auf die Bergwelt der Sächsischen Schweiz.
Bitte beachten Sie, dass unterwegs keine Einkehrmöglichkeit besteht.
Treffpunkt: Kirnitzschtal, Parkplatz Neumannmühle
Termine: 11.07.2009 10:15 Uhr
Zeitdauer: ca. 4-5 Std., Trittsicherheit erforderlich
Kosten: Erwachsene 6,- €; Kinder 3,- €
Nationalparkführer: Dieter Wittig
Tja, leider hatte das mit dem vorherigen Anmelden nicht geklappt, da wir uns viel
zu spät entschieden hatten, an der Wanderung teilzunehmen. Da der Sohn des
Nationalparkführers am Telefon aber meinte, wir sollten einfach mal zum
angegebenen Treffpunkt gehen, Herr Wittig würde dort schon hinkommen, haben
wir uns dann doch auf den Weg gemacht. Als wir gerade den Parkplatz an der
Neumannmühle betreten hatten, meinte meine Frau, wie man wohl in dem Gewusel
an Menschen den Nationalparkführer erkennen könnte. Es waren an jenem Samstag tatsächlich kurz nach 10:00
Uhr schon eine Vielzahl an Besuchern auf
dem Parkplatz. Netterweise entdeckten wir an der Einfahrt des Parkplatzes
auf einem Stein
die typische Plakette der Nationalparkführer und so war die Erleichterung
groß, dass die Wanderung vielleicht doch stattfinden würde. Der
Nationalparkführer wiederum war überrascht, dass doch Gäste zu seiner Führung kamen,
da er die Runde dieses Jahr schon mehrere Male angeboten hatte, aber sich
bis dahin noch kein Wanderer eingefunden hatte. Wir waren also die ersten
und auch einzigen Wanderer für diese Runde und nachdem wir sicherheitshalber
noch den Linienbus abgewartet hatten (möglicherweise hätten da ja noch
Mitwanderer mitkommen können), konnte es losgehen.
Überraschend war aus unserer Sicht, dass solch eine Wanderung selbst mit
dieser Minibesucherzahl von 2 Leuten stattfand.
Vom Parkplatz der Neumannmühle ging es ein paar Meter auf der
Kirnitzschtalstraße bachaufwärts. Zuerst passierten wir die Buschmühle und
erreichten nach ein paar Metern den Abzweig Ottendorf. Rechts neben der
Straße befindet sich ein unscheinbarer, aber beschilderter Pfad, der zum
Arnstein hinauf führt. Gekennzeichnet ist der Aufstieg gleich mit drei
Wanderwegmarkierungen, die Wanderung folgt dem gelben Strich
.
Der Pfad steigt ziemlich hubbelig aufwärts und erreicht nach ¼
Kilometer bzw. 60 Höhenmetern einen breiteren Waldweg. Hier geht es
weiterhin auf dem gelben Strich nach links weiter Richtung Arnstein. Nach ein paar Metern erreicht man auf der rechten Wegseite eine
Felswand mit der Jahreszahl 1887. Diese Jahreszahl hat natürlich nichts mehr
mit dem darüber liegenden Raubschloss zu tun, sondern ist vermutlich eher
das Jahr, in dem der Waldweg angelegt wurde.
Nach wieder mal ¼ Kilometer biegt nach rechts ein Pfad zum Arnstein
ab. Der Pfad führt unmarkiert über ein paar Naturstufen (also in den Felsen
gehauene Stufen) hoch. Wenn man den Felsenfuß erreicht hat, wird erst ein
kleiner Schlenker nach links ganz kurz um die Felsennase unternommen.
Hier
sind eine seltsame Skizze von einem Haus und ein Dreifachkreuz in den Felsen eingeritzt. Bei dem Haus handelt
es sich bestimmt nicht um das ehemalige Raubschloss, denn wer seinem Angreifer
einen Plan seiner Burg auf den Felsen malt, wäre ein recht dummer Ritter
oder Räuber gewesen.
Die
Wanderung führt wieder zurück auf die nordwestliche Seite des Felsens. Wenn
man ein paar Meter an dem Aufstieg zum Arnstein vorbei wandert, dann
findet man in der nächsten Felsecke einige unnatürliche Löcher im Felsen.
Hieran kann man deutlich erkennen, dass an der Stelle ein Gebäude unterhalb
der eigentlichen Befestigung gestanden hat. Da die Löcher über mehrere Meter
verteilt sind, ist es vermutlich sogar ein Gebäude mit zwei Etagen gewesen.
Links
von dieser Stelle ist ein kleines Becken in den Felsen gearbeitet, über dem
sich noch eine weitere Aussparung befindet. Es könnte sich um ein
Weihbecken mit einer Heiligenfigur in der kleinen Nische gehandelt haben.
Nach dieser Erkundung unterhalb des Raubschlosses geht es durch die enge
Felsspalte hoch auf den Felsen.
Zuerst
kommt man zwischen den Felsen unterhalb der Treppe heraus. Hier befindet
sich ein Gesicht auf der rechten Felsseite. Nach links kann man durch die
Felsspalte gehen, dann erreicht man eine künstlich vergrößerte Höhle
(Arnsteinhöhle) und kann eine vermutete Signalstelle im Felsen entdecken.
Nach
diesem kleinen Abstecher in den Norden des Arnsteins geht es wieder zurück
durch die Felsspalte und über die Treppe nach oben. Hier erreicht man zuerst
einen ausgearbeiteten Raum mit einer weiteren Steintreppe und dann das obere
Plateau des Arnsteins.
In
der Mitte des Plateaus befindet sich ein Felshubbel, auf dessen linker Seite
ein Krieger in den Felsen geritzt ist. In dem Felsplateau fällt natürlich
sofort die rechteckige Zisterne auf. Das Loch scheint sehr dicht zu sein, da
hier immer eine ziemlich dreckige Brühe drin steht.
Vom Arnstein hat man
eine sehr schöne Aussicht in den Bereich der Wildensteine und Affensteine.
Auf den Arnstein steigen relativ wenige Besucher, aber von den wenigen entdecken
noch weniger die Felszeichnung an der nordöstlichen Felswand. Wenn
man im Nordosten das oberste Plateau auf dem schmalen Pfad durch die
Heidelbeeren verlässt, stößt man nach ein paar Metern zuerst auf einen weiteren
ausgearbeiteten Raum und gleich daneben befindet sich ein Bildnis eines
Mannes mit einem Hirtenstab (so zumindest die Deutung).
Um wieder vom Arnstein herunter zu kommen, muss man erst wieder
auf das Plateau hoch steigen und dann auf dem bekannten Weg absteigen. Der
Abstieg erreicht die bekannte Wanderwegmarkierung gelber Strich
und dieser geht es nach rechts hinterher. Der Wanderweg steigt angenehm an und
nach einer kurzen Strecke erreicht man gleich mehrere Stellen, die als
Aussichtsplatz oder Rastplatz gut zu gebrauchen sind. Kurz nachdem sich die
gelben Wanderwegmarkierungen (gelber Punkt und Strich) getrennt haben und
man dem gelben Strich weiter folgt,
ist
nach 50 Metern auf der rechten Seite ein Steintrog im Wald zu sehen. Es
handelt sich um eine uralte Salzlecke. Diese Salzlecke
steht ca. 50 Meter neben dem Weg und auf der Längsseite steht die Jahreszahl
1895. Solche Salzlecken sind früher mit einem Salz-Lehm-Gemisch gefüllt
worden. Damit wurde das Wild mit Salz für z.B. die Förderung des Knochen-
und Geweihaufbaus unterstützt. Heutzutage werden die Salzlecken nicht mehr
genutzt, da sie einerseits unter Denkmalschutz stehen und es andererseits viel
einfacher ist, einen Salzklotz auf einen abgesägten Baum zu stellen.
Die Wanderung führt also weiterhin auf der gelben Markierung in Richtung
Saupsdorf. Nach ¼ Kilometer befindet sich auf der linken Wegseite ein
kleinerer Sandstein, der beim genaueren Betrachten wieder so ein Gesicht wie
am Arnsteinaufstieg hat. Spätestens hier ist klar, dass das Gesicht am
Arnstein nicht wie z.B. der Medusakopf auf der Festung Königstein erschrecken
soll, sondern mehr aus Langeweile der Burgbesatzung entstanden ist. Die
Wanderung kommt auf einen ganz geraden Waldweg, der runter in eine Senke
führt. Mit dem Erreichen der Senke wechselt das Aussehen des Waldes. Der
Bewuchs ändert sich von Fichten in Buchen und das liegt ganz einfach daran,
dass genau hier die Grenze der Lausitzer Verschiebung verläuft.
Der
Untergrund wechselt also von Sandstein zu Granit. Bald tritt die Wanderung
auch aus dem Wald heraus und führt mitten durch ein Feld vor Saupsdorf
hindurch. Wenn man über das linke Feld hinweg sieht, kann man Saupsdorf und
den darüber liegenden Wachberg entdecken.
Noch bevor man den Ortsrand erreicht hat, verlässt die Wanderung die gelbe
Wanderwegmarkierung und es geht nach rechts auf der roten Markierung
in Richtung Kleinsteinhöhle zurück. Zuerst führt der Wanderweg am
Waldrand entlang und kurz bevor man die erste Aussicht oberhalb der
Kleinsteinhöhle erreicht, wird ein Waldstück passiert. Von der Aussicht hat
man einen
schönen
Blick über die Höhle hinweg auf das Kirnitzschtal. Von der oberen Aussicht
kann man in die Senke der Hinteren Sächsischen Schweiz bis zum Bloßstock
blicken. Wenn man eine Etage tiefer auf die Aussicht geht (immer noch
oberhalb der Höhle) ändert sich der Blickwinkel. Die Kirnitzsch kann man
zwar immer noch nicht sehen, aber dafür die Felsen links (die beiden
Pohlshörner) und rechts (Heulenberg und Teichstein) vom Tal.
Der markierte Wanderweg führt weiter runter ins Tal und nach einem kurzen
Abstieg erreicht man den Zugang zur Kleinsteinhöhle. Dadurch, dass die Höhle
nicht so besonders groß ist, wirkt es schon manchmal relativ voll, wenn eine
Handvoll Wanderer oder Kletterer sich in ihr aufhalten. Von Zeit zu
Zeit sieht man hier ein paar Kletterer durch den Kamin nach oben streben. Sehr nett war, dass unserer Nationalparkführer ein passionierter Kletterer
war und wir so doch einiges von den anderen Besuchern der Sächsischen
Schweiz erfahren haben. Irgendwie ist es so, dass beide Gruppen (Wanderer
und Kletterer) kaum Berührungspunkt miteinander haben und so auch nicht
besonders viel vom anderen wissen. Für uns war es wirklich interessant zu
hören, dass es eigentlich über eine sehr lange Zeit nur sieben
Schwierigkeitsstufen von Kletterwegen gab, die dann aber sprungartig erweitert wurden,
als, besonders durch Bernd Arnold, immer schwierigere Wege gemeistert wurden. Sehr
interessant war auch, mit welcher Ehrfurcht über Bernd Arnold gesprochen
wurde. Wir wussten zwar, dass er ein besonderer Kletterer sein muss, aber
uns war es nicht bewusst, dass er so ein Supertalent ist. Was auch sehr
unterhaltsam war, wie uns die unvorstellbare Zahl (es wird von 17.000 Wegen
und Varianten gesprochen) an Kletterwegen erklärt
wurden. Im Zugang der Höhle befindet sich einer der Sicherungsringe, die
darauf hindeuten, dass hier ein Kletterweg ist. An den Moosspuren auf dem
Felsen war aber deutlich zu sehen, dass diesen Weg schon seit mehreren Jahren
keiner mehr aufgestiegen ist. Aber dieser Aufstieg wird trotzdem als
eingetragener Kletterweg geführt. Offenbar gibt es etliche Aufstiege, die
außer der zur Eintragung in den Kletterführer führenden Erstbesteigung nie
wieder begangen worden sind.
Die Wanderung führt über ein paar Stufen weiter hinunter, bis unten der
breite Forstweg erreicht wird.
Hier folgt man weiterhin der roten
Wanderwegmarkierung nach rechts. Dieser Waldweg ist sehr angenehm zu gehen
und seltsamerweise trifft man nur selten andere Wanderer. Nach
einer Strecke von 700 Metern befindet sich auf der rechten Wegseite noch
eine weitere Felsmurmel mit einem eingeritzten Gesicht. Auch dieses Gesicht
sieht sehr ähnlich aus wie die beiden vorhergehenden Gesichter. Wir vermuten,
dass es von dem gleichen "Künstler" stammt. Die Wanderung geht noch ein
ganzes Stück weiter auf dem Waldweg, bis nach links der bekannte Pfad ins
Kirnitzschtal absteigt. Jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum
Ausgangspunkt der Wanderung.
Obwohl wir diese Wanderung genau so schon mehrere Male gelaufen sind, haben
wir eine ganze Menge Neuigkeiten gesehen und noch viel mehr interessante
Themen gehört. Am besten haben uns die Themen Wegekonzept des Nationalparks
und Klettern gefallen. Ein dickes Dankeschön an Herrn Wittig.
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